The heat is on

Das war er also, mein zweiter Halbmarathon, der erste „offizielle“, der Potsdamer Schlösserlauf 2016. Meine Bedenken, ob der Größe der Veranstaltung, 4431 Läufer nahmen teil, wurden direkt nach unserer Ankunft zerstreut. Der Lauf war perfekt organisiert. Alles von der Anreise über Gepäckaufbewahrung, Start, Versorgung bis zum Ausfertigen der Urkunden lief absolut reibungslos und zügig. Eine beeindruckende logistische Leistung! Aber von vorn. Etwa 10 Minuten vor dem Startschuss um 9 h machten wir uns in Richtung Startblock auf. Eine leichte Nervosität lag in der Luft, die Sonne strahlte mit den Läufern um die Wette und die Stimmung war gut. Ich reihte mich optimistisch etwas weiter vorn ein als der Rest meiner Gruppe.

Endlich fiel der Startschuss, nach kurzer Zeit setzte sich der Pulk in Bewegung und schon nach 500 m lockerte sich das Feld soweit auf, dass ich Tempo machen konnte. Nach gut 2 Kilometern hatte ich meine zwei Hasen* gefunden. Ich fühlte mich energiegeladen, locker und sehr dynamisch. Die unbekannte, reizvolle Strecke tat ihr übriges. Die ersten langen Passagen in der prallen Sonne fingen an, mir zuzusetzen. An der dritten Versorgungsstation (km 10) bestätigte ein Blick auf die Uhr (ca. 50 Minuten),  dass ich den alten Anfängerfehler begangen hatte. Ich hatte auf den falschen Hasen gesetzt und war viel zu schnell gestartet. Inzwischen mussten es bereits über 25°C im Schatten sein. Ich ließ die Hasen ziehen, drosselte das Tempo etwas und lief permanent kleine Schlucke trinkend weiter. Es war zwar inzwischen deutlich anstrengender, aber bis Kilometer 15 hielt ich mich noch so gut, dass eine Zielzeit von 1:50 h möglich erschien. Freundliche Potsdamer Gartenbesitzer hielten Gartenschläuche und Rasensprenger in die Laufstrecke, so dass es immer wieder eine willkommene Abkühlung gab.

Irgendwann reichte mir das jedoch leider nicht mehr. Am Rand des Weges nahm ich vermehrt liegende Läufer wahr, die vor Hitze und Überanstrengung kapitulieren mussten. Ich hatte das Gefühl, dass auch ich nicht mehr besonders weit von meiner Belastungsgrenze entfernt war, mein Kopf drohte zu platzen, Schulter- und Rumpfmuskulatur krampften und da ich mich nicht zu den anderen legen wollte, legte ich notgedrungen eine Gehpause ein, bis ich mich einigermaßen abgekühlt fühlte. Von da an war es ein steter Wechsel. Gehen, laufen, trinken, gehen und kurz vor Kilometer 18 auf der langen, heißen und staubigen Lindenavenue durch das Parkgelände von Sanssouci war ich schwer versucht, mich einfach irgendwo in den Schatten zu legen und Lauf Lauf sein zu lassen. Es reichte. Aber sowas von. Andererseits hatte ich es nun fast geschafft, nur noch 3 Kilometer trennten mich von der Erlösung. Ich verfiel in einen langsamen steifen Trott und beobachtete amüsiert die an mir vorbeiziehenden Läufer. Woher nahmen sie bloß die Energie? Schließlich kam die Zielgerade in Sicht. Eine letzte Ehrenrunde um den Sportplatz, auf der ich mit plötzlich auftretender Übelkeit zu kämpfen hatte, und ich hatte es geschafft. Ich war unendlich erleichtert und erschöpft. Ich ließ mich vom Bruder und seiner Freundin willkommen heißen und fand nach kurzen Suchen auch den Rest der Truppe wieder, von denen die meisten bereits vor mir angekommen waren. Ein Bad im nahe gelegenen See wirkte Wunder und sorgte für die nötige Erfrischung vor der langen Heimfahrt.

Auf dem Heimweg sinnierte ich, was wohl zu der für mich eher schlechten Zeit von 2:07:38 h geführt hatte. Neben der Hitze waren es auf jeden Fall die zu schnelle erste Hälfte und das Essen vor dem Lauf. Normalerweise laufe ich stets morgens nüchtern. Ich war nur nicht sicher gewesen, ob ich es beim Halbmarathon bis 11 h ohne Essen durchhalten würde. Aber letztlich ist es auch egal. Unter diesen Bedingungen waren für mich eben keine Höchstleistungen möglich gewesen und selbst die erfolgreichsten Läufer hatten mit der Hitze zu kämpfen gehabt. Und für mich war es definitiv nicht der letzte Halbmarathon, auch wenn ich beim nächsten Mal definitiv eine Veranstaltung im Frühjahr oder Herbst wählen werde.

Link zum Streckenplan

*Hase Als Hasen bezeichnet man Läufer, die für eine gewisse Zeit das gewünschte Tempo vorgeben