Geradelt 1: Main-Tauber-Altmühl

Man nehme: zwei Fahrräder, ein Zelt, zwei Schlafsäcke, zwei Isomatten, zwei fahrfreudige Menschen und noch ein paar Sachen mehr. In den Zug gestiegen, nach Frankfurt gefahren und dort, am Main, gestartet. Der fließt nur 500m vom Hauptbahnhof entfernt träge dahin.

Die Wolken im Hintergrund erwiesen sich als harmlos. Einen kurzen Gewitterschauer gab es am Nachmittag. Wir fanden Zuflucht unter einer Brücke und nach einer halben Stunde strahlte die Sonne wieder. Nach knapp 90 km erreichten wir einen beschaulichen Campingplatz mit Biergarten. Herrlich.

Am nächsten Morgen empfing uns eine geschlossene Wolkendecke, aus der es, kurz nachdem wir losgefahren waren, konstant regnete. Nach drei Stunden waren wir durch und durch naß, Funktionsbekleidung hin oder her. Wir durften zum Trocknen unter einen Heizstrahler und gegen Mittag waren alle Wolken wie von Zauberhand verschwunden. Wir erreichten die Taubermündung in Wertheim kurze Zeit später und verließen den Mainradweg. Da der nächste Campingplatz noch gute 50km entfernt war, nahmen wir uns in Tauberbischofsheim kurzerhand ein Zimmer.

Tauberbischofsheim ist ein nettes Städtchen mit historischer Altstadt. Leider nicht verkehrsberuhigt. Das sollte uns immer wieder auffallen. Wunderschöne Plätze mit Außengastronomie, über die neben PKW auch riesige Busse und LKW dröhnen. Wie soll man da sein Eis oder Bier in der Sonne genießen?

Aber ich will nicht lamentieren. Man sollte sich einfach auf die schönen Dinge und Gegebenheiten konzentrieren, was mir im Taubertal recht leicht fiel.

Das liebliche Taubertal trägt seinen Namen zu Recht und wird gen Rothenburg hin immer hügeliger. Völlig erschöpft von „Bergen“ und Sonne erreichten wir einen Campingplatz vor Rothenburg. Leider waren die nächsten Einkaufsgelegenheiten oben in der Stadt. Und oben bedeutet mindestens 150m Auf- und Absteig. Nach nach dem Duschen los stapften wir los. Das war ein Fehler.

Da wir auf die Schnelle keinen Supermarkt fanden, gingen wir in einen Bioladen. Nun ja, der dreifache Preis für eine Dose Tomaten erschien mir zwar etwas happig, aber zum Weitersuchen hatte ich auch keine Lust mehr. Das Ciabatta für 3,50€ überstieg meine Schmerzgrenze. Soviel Geld für nur 200 g Brot! Echter Biowucher. In einer konventionellen Bäckerei erklärte uns die Verkäuferin, dass das an den japanischen Touristen läge, die würden für ein Brot jeden Preis zahlen. Ach so.

Das Chili gelang gut, einen geschmacklichen Unterschied zwischen Bio- und Nicht-Biokidneybohnen konnten wir jedoch nicht feststellen. Abends in geselliger Runde kam die Frage auf, ob es eine Altersbegrenzung für diese Art des Reisens gäbe. Ein rüstiger Rentner um die 70, der kurz vorher sein Zelt aufgebaut hatte meinte dazu nur grinsend, erkönne sich eine andere Art zu Reisen gar nicht vorstellen. In seinem Alter bräuchte man morgens nur ein wenig länger, um aus dem Zelt zu steigen.

Am nächsten Morgen begrüßte uns herrlicher Sonnenschein. Nach einem letzten Blick auf Rothenburg fuhren wir in das Altmühltal. Der Begriff  „Tal“ ist allerdings irreführend. Zunächst galt es eine saftige 16% Steigung über einen guten Kilometer zu bewältigen. Danach fuhren wir leicht bergan und bergab durch meist landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Altmühl war nur selten zu sehen.

Dafür gab es während der Mittagspause ein paar Jungstörche zu begucken. Die Altmühl ließ sich nachmittags auch schon häufiger sehen und war deutlich breiter geworden. Am Altmühlsee, kurz vor Gunzenhausen, fanden wir einen eher ungemütlichen Campingplatz. Ungemütlich, weil eher auf die Bedürfnisse der motorisierten Mitreisenden zugeschnitten. Zelte werden auf solchen Olätzen meist auf eine sumpfige Wiese hinter die Sanitäranlagen verbannt. Diese war immerhin trocken. Abends zog ein heftiges Gewitter auf. Wir siedelten in die Gaststube um. Ein Radiojournalist vom Bayrischen Rundfunk hatte Unterhaltsames zu erzählen. Und unser Zelt hatte dem Sturzregen  standgehalten.

Auch am nächsten Tag war uns das Wetter hold. Es ging die ganze Zeit recht dicht an der Altmühl entlang. Das Tal wurde enger und enger. Eichstätt ließen wir hinter uns, obwohl wir schon gut 80 km geradelt waren. In Gungolding wurden wir dafür mit einem wunderschönen Naturcamping belohnt, den wir ganz für uns allein hatten. Das war definitiv der schönste Platz, auf dem ich in Deutschland je gezeltet habe.

Wir gönnten uns noch ein Essen im benachbarten Biergarten und badeten in der Altmühl. Besser als jede Dusche. Den krönenden Abschluss bildete ein Lagerfeuer und eine leider traurige Nachricht. Wir würden unsere Familie nicht wie geplant beim Trombone Shorty Konzert in Straubing treffen. Oma war erkrankt. Nun ja, wir würden versuchen, sie würdevoll vertreten!

 

 

 

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