Von Ritsem nach Nikkaluokta – Abschied von Padjelanta

Der gute Schlaf inspirierte uns zum Weitergehen. Etwa 30 Kilometer östlich von Ritsem befindet sich ein Einstieg zum Kungsleden, auf dem wir bereits letztes Jahr ein gutes Stück gegangen waren. Doch wie sollten wir dorthin kommen? Der einzige Bus fuhr erst nachmittags und so viel Zeit wollten wir nicht verlieren. Wir frühstückten gemütlich, packten zusammen und gingen vor die Tür. Ich sah mehrere Leute um ein Auto auf der anderen Straßenseite herum stehen. Erk machte sich auf den Weg, um sie zu fragen, ob sie uns vielleicht mitnehmen könnten, ich brachte unseren Zimmerschlüssel zur Rezeption. Und siehe da, der freundliche Schwede nahm uns gern in seinem antiken Jetta mit. Damals wurden Autos noch für die Ewigkeit gebaut. Am Ziel angekommen, bedankten wir uns und sprachen kurz mit einigen Leuten bei der Vakkotavare Hütte. Wir hatten zwar keine Karte für diesen Abschnitt. Der Hüttenwart ermutigte uns. Der Weg sei nicht zu übersehen und einfach zu gehen. Alsdann.

Die Sonne kämpfte sich immer wieder durch die Wolken. Es war trocken und ging natürlich erst einmal kräftig bergauf. Man merkte dem Weg an, dass deutlich mehr Leute darüber gelaufen waren. Er war sehr ausgetreten und bestand teilweise nur aus verschieden großen Steinen. Schwer zu gehen. Als wir das Hochfjäll erreicht hatten, boten sich herrliche Ausblicke.

Leider verdichteten sich die Wolken dann wieder. Es begann erst leicht, später ausgiebig und pladdernd zu regnen. Deshalb gibt es vom Rest des Tages leider keine Bilder. Wir stiegen den ganzen Weg wieder hinunter und erreichten den See Teusajaure. Zum Glück lagen zwei Boote auf unserer Seite. Ich ruderte uns hinüber und da es erst 14h war und aufgehört hatte zu regnen, entschieden wir uns, die neun Kilometer zur nächsten Hütte, Kaitumjaure, noch zu gehen. Dann wären es insgesamt 24 Kilometer, inzwischen keine Entfernung mehr.

Dabei stellte sich  heraus, dass eine Karte durchaus sinnvoll gewesen wäre. Nicht etwa, weil wir den Weg aus den Augen verloren hätten. Nein, keineswegs. Aber manchmal ist es hilfreich zu wissen, wie viele Höhenmeter einen noch erwarten. Es ging wieder ins Hochfjäll. Und natürlich auf der anderen Seite wieder hinunter. Die Wegbeschaffenheit verschlechterte sich immens. Ich bekam schlechte Laune und begann, Steine zu hassen. Nicht, dass das etwas geändert hätte. Erk rutschte noch einmal auf einer nassen Planke aus und seine Laune verschlechterte sich nun auch immer mehr. Wir waren beide an der Grenze unserer Kräfte angelangt und keine Hütte war in Sicht. Es nützte nichts. Weitergehen.

Wir trafen in Kaitumjaure sehr nette Leute und hatten einen richtig schönen Abend miteinander. Der Hüttenwirt bat uns, bei der Vernichtung des Leichtbieres zu helfen. Die Dosen würden im Winter platzen und das Mindesthaltbarkeitsdatum war fast abgelaufen. Schon skurril. Dosenbier im Fjäll. Als Dank bekamen wir eins geschenkt. Es schmeckte köstlich!

Am nächsten Morgen machten wir uns zeitig auf die Socken. Wieder schien die Sonne, aber die Wolken waren bereits in Sicht. Das Gehen fiel uns von Tag zu Tag leichter. Kurz vor der Mittagsrast fanden wir den Querverbindungsweg nach Kebnekaise. Er führte uns über einen Pass in das recht schmale und dunkle Tal gen Kebnekaise. Wieder begann es zu regnen und die Wolken hingen, genau wie das Jahr zuvor, so tief, dass wir den Gipfel des legänderen Kebnekaise nicht sehen konnten. Wir wateten durch einen breiten Fluß und danach ging es immer leicht bergauf und bergab. Anstrengend. Wir erreichten die Fjällstation erst gegen halb sechs, ziemlich kaputt und pitschepatsche naß. Die Unterbringung in einem Vierbett(!)zimmer kostete uns schlappe 120€, echter Wucher, dafür dass man in einer Gefängniszelle mehr Platz hätte.

Die Anstrengung machte uns albern. Ich kochte ein Tabuleh, das etwas fest geriet und an Spachtelmasse erinnerte. Die passende Kost zum Zimmer, befand Erk. Wir jagten einem deutschen Pärchen noch ein wenig Angst ein. Nicht nett, ich weiß. Aber sie hatten für die 19 km von Nikkaluokta hierher zwei (!) Tage gebraucht. Wir absolvierten die Strecke am nächsten Vormittag in vier Stunden. Okay, wir waren trainiert und unsere Rucksäcke vergleichsweise leicht, weil wir den ganzen Proviant verputzt hatten, aber zwei Tage braucht man dafür wirklich nicht. Und der feine Nieselregen lud auch nicht gerade zum Verweilen ein. Wir erreichten Nikkalouokta zwei Minuten, bevor der Bus nach Kiruna abfuhr. Schwein gehabt.

Die Zivilisation lockte mit Gemüse und Wein, aber ein wenig traurig waren wir doch darüber, dass ein weiterer Wanderurlaub sich dem Ende näherte. Das  Hotel City (www.hotellcity.se), in dem wir auch letztes Jahr gewohnt hatten, hatte „unser“ Zimmer noch frei und so verbrachten wir noch einen gemütlichen Tag in Kiruna.

Der leider auch verregnet war. Am Tag darauf fuhren wir mit dem Zug zurück nach Luleå, übernachteten in einem scheusslich klimatisiertem Zimmer (www.citysleep.se), aßen ein leckeres Sushi und „wanderten“ am nächsten Morgen die zehn Kilometer zum Flughafen, ungläubig gemustert von einigen schwedischen Jugendlichen, die wir nach einem hübscheren Weg fragten. Zum Flughafen sei es doch viel zu weit! Es gab leider keine Alternative zur Straße. Wie um uns zu verspotten schien die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel. Doch Lappland ist auch im Regen schön.

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