Padjelanta 6

Wenn Lemminge sich unterhalten klingt das für menschliche Ohren wie das Gezwitscher von Wellensittichen. Ihr Geschnatter begleitete uns täglich. Sie hausen mit Vorliebe unter den Bohlenwegen, die zum Fjällschutz ausgelegt werden. Geht man auf den Wegen entlang, laufen sie panisch vor einem her und tauchen mal links, mal rechts neben den Wegen auf. Ein Lemming unterschied sich von seinen Artgenossen durch seine Furchtlosigkeit. Statt panisch und quiekend zu flüchten,  ging er fauchend auf Erk los.

Erk holte seine Kamera hervor. Normalerweise sind die Lemminge, wenn man die Kamera auf sie richtet, sofort in einem Erdloch verschwunden. Dieser jedoch kam näher und näher und richtete sich drohend auf. So entstand eine ungewöhnliche Lemmingfotostrecke.

Nach dieser erheiternden Episode gingen wir beschwingt weiter. Die Einsamkeit und Weite des Hochfjälls verzauberten uns und der ungewohnte Sonnenschein wärmte wohltuend.

Laut Karte trennte uns noch ein weiterer Aufstieg vor dem endgültigen Abstieg zum Akkajaure, einem riesigen künstlichen Stausee, den die Schweden bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur Energiegewinnung bauten. So einfach war das natürlich nicht. Das Tal, in dem sich heute der Akkajaure befindet, war von zahllosen kleinen, miteinander verbundenen Seen durchzogen. Durch den Bau des Suorvdamms wurde das ganze Tal geflutet, ursprüngliche Siedlungen der Samen mußten aufgegeben werden. Des einen Freud, des andren Leid…

Als wir aufsahen, bemerkten wir, dass uns eine kleine Herde von Rentieren schon seit einer Weile folgte. Man ist eben nie so allein, wie man sich wähnt. Nachdem Erk sie fotografiert hatte, trollten sie sich elegant. Ganz schön eitel, die Viecher.

Nach dem Mittagessen, vor dem letzten Aufstieg, durfte das Selbstauslöserbild natürlich nicht fehlen.

Danach ging es hinauf, 300 Höhenmeter wollten erklommen werden. Dabei gerieten wir mächtig ins Schwitzen, aber jeder Aufstieg lohnt sich wegen der unvergleichlichen Aussicht!

Es war recht frisch in dieser Höhe. Wir waren froh, als wir uns wieder an den Abstieg machen konnten. Die Wolken hatten sich aus dem Nichts angeschlichen und verhießen nichts Gutes. Nach zwei Stunden kam die erste Birke in Sicht.

Von dort aus war es nicht mehr weit bis zu den Hütten von Kisuris. Da es zu regnen begonnen hatte, als wir sie errichten, gönnten wir uns den Komfort einer weiteren Nacht mit einem festen Dach über dem Kopf.

Am nächsten Morgen waren wir ein wenig traurig, weil wir am Ende des Tages in Ritsem, auf der anderen Seite des Akkajaure ankommen würden. Das Ende des Padjelantaleden war fast in Sicht. Schade. Die Wolken hingen noch tief, aber es war trocken. Nach gut anderthalb Stunden öffnete sich der Birkenwald für eine kleine Aussicht.

Wir kamen gut voran, schnackten mit einem deutschen Pärchen, das gerade dem nassen Sarek entronnen waren. Das schien eine grenzwertige Erfahrung gewesen zu sein. Zumal es letzter Zeit extrem nass  gewesen war. Ich habe noch nie so zerfetzte Wanderstiefel gesehen wie die des Mannes.

Gegen Mittag erreichten wir die Brücke über den letzten großen Fluß.

Der Gletscher rechts im Bild faszinierte mich, aber die Nahaufnahme des Gletschers wurde nicht besonders..

Die Sonne schälte sich endlich aus den Wolken. Wir passierten Akkastugorna und erreichten den Bootsanleger eine halbe Stunde vor Abfahrt des Bootes. Damit hatten wir nicht gerechnet. Hocherfreut nahmen wir das Angebot einer älteren Samin an, Räucherfisch und Fladenbrot zu kaufen. Das erste Brot seit Tagen schmeckte göttlich!

In Ritsem nahmen wir ein Zimmer in der Fjällstation, wuschen unsere Sachen und uns und gönnten uns zum Abendbrot eine dicke Pizza. Wir hatten noch vier Tage Zeit und überlegten, was wir damit anfangen wollten. Weitergehen, soviel war klar. Aber wohin? Vielleicht würden wir über Nacht eine gute Idee bekommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s