Padjelanta 5

Die Erinnerung neigt dazu, schnell zu verblassen, wenn man erst einmal wieder in heimischen Gefilden weilt. Damit mir kein Ortsname und kein Erlebnis entfällt, habe ich jeden Morgen fleißig geschrieben.

Nach dem Frühstück packten sich die Rucksäcke inzwischen fast von allein. Jedes Ding hat seinen festen Platz gefunden. Wir hatten uns an das Unterwegssein gewöhnt. Die Wolken hingen zwar tief, aber es war trocken. Der erste Hügel war schnell erklommen und das Gehen machte richtig Spaß.

Nach der Brücke ging es 300 Höhenmeter steil bergauf zum Pårkasattel. Schweissgebadet rasteten wir am Rand des Hochplateaus. Der Blick von oben auf die umliegenden Bergspitzen war wunderschön, auch wenn sich einige von ihnen vornehm verhüllten.

Ungefähr auf halber Strecke stand eine Steinfigur, bei deren Anblick wir uns unwillkürlich fragten, ob nicht doch ein Mensch seine Finger im Spiel gehabt haben könnte.

Wir setzten uns zu ihr und aßen einen Happen. Ein paar Rentiere leisteten uns Gesellschaft. Der Regen verschonte uns und bis zu den Hütten von Låddejåkka war es nicht mehr allzu weit.

Von oben sah der Abstieg zu den Hütten sanft aus, aber es war recht steil. Da man seine Bergabgehmuskulatur in Hamburg selten braucht, schmerzte sie mich inzwischen ganz ordentlich.

Auf halber Strecke ruhten wir uns noch einmal aus. Es war erst später Nachmittag und wir hatten unser Nachtlager schon vor Augen. Erk fotografierte, ich genoß die Landschaft ohne Linse und erspähte tatsächlich einen Adler.

Es ging über eine weitere Brücke über einen Fluß, der sich im Laufe der Zeit sein Bett durch die lockeren Gesteinsschichten gegraben hatte. Dabei verursachte er noch immer einen ganz schönen Lärm.

Wir waren unendlich dankbar für den trockenen Tag. Wieder waren wir völlig allein in der Hütte. Ein Wanderer kam zwar aus Norden, er schlug sein Zelt jedoch auf der anderen Seite des Flusses auf. Da es noch früh war, machten wir uns eine Schüssel Wasser warm und wuschen uns endlich den Schweiß der letzten Tage ab. Herrliche Frische.

Erk hatte sogar noch Energie zum Herumalbern. Wir aßen, lasen noch ein wenig und dann war auch schon Schlafsackzeit. Ich stolperte bei der letzten Zigarette fast über einen Fuchs. Er starrte mich vorwurfsvoll an, so kam es mir jedenfalls vor. Wahrscheinlich hatte ich seine Beute verscheucht.

Am nächsten Morgen schien die Sonne. Unglaublich. Wir verzichteten zum ersten Mal auf die Regenhosen und entschieden uns für den „alten“ Weg. Der führte über die nächste Hochebene statt unten am See entlang. Das hieß natürlich erst einmal wieder Aufstieg.

Insgesamt sollte es dieses Mal gut 400 Höhenmeter hinauf gehen. So hoch waren wir bislang noch nicht gekommen. Die Sonne wärmte uns den Rücken, die Landschaft war traumhaft schön und wir waren gespannt, wie lange wie für die gut 20 km brauchen würden.

 

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