Padjelanta 4

Am nächsten Morgen war es trocken und ich konnte durch das Fenster sogar einige blaue Flecken am Himmel ausmachen. Meine Beine fühlten sich für die am Vortag absolvierten Kilometer erstaunlich gut an. Wir frühstückten, packten und machten uns auf den Weg nach Arasluokta.

Die Etappe war zwar nur 12 km lang, aber es ging anfangs gleich 200m hinauf ins Hochfjäll. Das brachte uns in voller Regenmontur ganz schön ins Schwitzen. Wenn das Wetter so unbeständig ist, empfiehlt es sich, morgens gleich Regenhose und Gamaschen anzuziehen. Denn fängt es erst einmal an, dann bleibt keine Zeit mehr, im Rucksack zu kramen.

Wir arbeiteten uns schließlich hoch. Der Moment des Innehaltens, der Blick zurück ist stets faszinierend. Zum einen sind die Lichtverhältnisse völlig anders und zum anderen ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wieviel Weg schon hinter einem liegt. Auf zwei Beinen kann man sich  erstaunlich weit fort bewegen. Am Anfang dieser Wanderung dachte ich oft, 145km, wow, wie soll ich das je schaffen und nun waren wie bereits bei der Hälfte des Wegs angelangt.

Eine Riegel und eine Zigarette später empfing uns das Hochfjäll, scheinbar nicht von dieser Welt. Eine bizarre Landschaft aus kleinen Seen, niedrigem Heidebewuchs und leider wieder auch dichten Wolken. An Weitblick war nicht zu denken.

Seitdem wir in Staloluokta losgegangen waren, hatten wir keine Menschenseele getroffen. Das ist der Vorteil der Nachsaison. Die Hütten sind ab Anfang September unbewirtschaftet. Man trifft höchstens zwei bis vier Menschen pro Tag. An diesem Tag tauchten an der höchsten Stelle zwei Gestalten aus den tief hängenden Wolken auf. Ja, jetzt wären wir ungefähr auf der Hälfte des Weges. Nein, man könne den schönen Ausblick nicht genießen. Meist bleibt man stehen, um Informationen auszutauschen. Ich freue mich tatsächlich auf die Menschen, die mir begegnen.

Pünktlich zur Mittagszeit fing es an, wie aus Eimern zu schütten. Wir aßen unsere Stulle stoisch und machten uns an den Abstieg. Viele unförmige Steine, glitschig und steil. Es gibt gute und schlechte Steine. Die guten sind flach und in Schrittlänge, die schlechten zu dicht zusammen oder zu weit auseinander und spitz oder moosbewachsen und rutschig. Nach guten fünf Stunden tauchten endlich die Hütten von Arasluokta auf. Kein Mensch weit und breit. Wir machten es uns gemütlich.

Nach einem kurzem Mittagsschlaf war es Zeit für das Abendessen. Als ich danach eine Zigarette rauchte, kamen zwei jüngere Männer von Norden. Deutsche. Berliner. Es war ihre erste Tour. Wir unterhielten uns eine Weile. Sie hatten auch Schwierigkeiten, den Gasofen in Gang zu bekommen. Ich konnte helfen. Plötzlich tauchte eine Elchkuh in der Dämmerung auf.

Leider war es für ein scharfes Bild schon zu dunkel. Erk und einer der Berliner folgten ihr noch eine Weile. Eine andere Art der Jagd. Mir war kalt. Ich blieb am Ofen und las, endlich. Die Autobiographie von Patti Smith erwies sich als äußerst fesselnd.

Und so ging ein weiterer Wandertag seinem Ende entgegen. Zu Hause wäre ein Tag mir oft nur wenige Sätze wert, auf Reisen reicht er meist für einen kompletten Artikel. Bonne nuit!

 

 

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