Padjelanta 3

Der Wind war über Nacht zu einem regelrechten Sturm angeschwollen. Er rüttelte und zerrte an der kleinen Holzhütte. Wir sahen skeptisch aus dem Fenster. Auf dem Weg zum Toilettenhäuschen hätte es mich fast umgeweht. Zum Glück würden wir mit dem Wind im Rücken weitergehen. David hingegen musste dagegen an kämpfen. Nach dem Müsli, mit heißen Wasser angerührt gar nicht so übel (dank an Andrea), packten wir. David versprach, von zu Hause eine Mail zu schreiben. Der Wind trug uns förmlich die 300 Höhenmeter auf das Hochfjäll. Es war gar nicht anstrengend. Oben angekommen sah ich mich fasziniert um und erinnerte mich. Genau das war der Grund, warum wir die Strapazen auf uns nahmen. Was für eine Weite übersät mit bizarr geformten Steinen, so unfassbar karg. In der Ferne Gipfel von noch höheren Bergen. Der Weg schlängelte sich um einige Seen herum zur Truottarhütte.

Es war erst Mittag. Ich holte Wasser und wir kochten uns in der Hütte einen Kaffee. Hier oben (auf 900 m) zauste der Wind die Hütte noch viel stärker. Sein Heulen klang fast ein wenig unheimlich. Wir aßen eine Stulle, zum Glück hatten wir noch Brot, und beratschlagten uns. Die nächste Hütte, Staloluokta, war von hier aus noch 19 km entfernt. 11 km waren wir schon gegangen. Wir hatten den Wind im Rücken. Es ging bergab. Es war noch früh am Tag. Weitergehen?

No risk, no fun. Wir machten uns auf den Weg. Es ging an weiteren Seen entlang sanft bergab, mal kam der Wind direkt von hinten, mal leicht von der Seite. Dann wurde das Geradeausgehen schwierig. Wir kamen zügig voran und der Regen hielt sich auch vornehm zurück.

Auf halber Strecke kamen uns zwei schwer kämpfende Gestalten entgegen. Die Ärmsten. Wir sprachen einige ermunternde Worte und gingen weiter. Endlich erreichten wir die im Wanderführer angekündigte Hängebrücke. Von dort aus sollten es „nur“ noch 8 km sein. Wir waren inzwischen recht platt. Zeit für eine Pause und eine Handvoll Studentenfutter.

Von dem Zeitpunkt an wurde das Gehen deutlich anstrengender. Der Weg zog sich schier endlos an einem großen See entlang, über einen Hügel und da! endlich! Die samischen Steinkreise, die wahrscheinlich die Umrisse einer Zeltkåta darstellen. Ein innerer Kreis als Feuerstelle und ein äußerer für das Zelt.

Was genau die Samen hier getrieben haben, ist leider nicht bekannt. War es eine Sommersiedlung oder gar ein heiliger Ort? Laut Führer waren es noch gut zwei Kilometer. Das gab mir neue Kraft und ich sprintete dem Ziel entgegen. Erk war leider nicht mehr zu großem Tempo zu motivieren. Aber sein Rucksack war auch viel schwerer als meiner.

Ich konnte mich kaum satt sehen. Was für ein wunderschöner Ort. Wir blieben immer wieder stehen, um zu schauen. Dieses Mal nicht aus Müdigkeit. Die Hütten fest im Blick marschierten wir die letzten zwei Kilometer.

Wir hatten es geschafft. Ein riesiges Hochgefühl überkam uns. 30 km lagen hinter uns, unvorstellbar. Das ist zu Hause selbst mit dem Rad schon eine ganze Ecke. Wir machten es uns in der Hütte gemütlich. Essen, waschen und endlich schlafen. Herz, was willst du mehr?

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