Padjelanta 2

Es könnte der Eindruck entstanden sein, ich wolle mich über das Wetter in Lappland beklagen.  Ich gebe zu, dass ich in den ersten Tagen unserer diesjährigen Wanderung enttäuscht und genervt war. Aber mit jedem neuen Tag, der dank der Trockenräume in den Hütten mit trockenen Klamotten begann, hatte ich die Möglichkeit, über meine Einstellung bezüglich des Wetters nachzudenken. Denken kann man viel, wenn man nichts zu tun hat, ausser zu gehen. Und so gelang es mir bereits nach dem dritten Tag, den Regen nicht mehr persönlich zu nehmen. Das erleichterte die Sache ungemein. Es regnete immer mal wieder. Ich wurde nass. Na und? Ich erinnerte mich an die Worte meiner Urgroßmutter, raus mit euch an die frische Luft, rief sie, wenn wir allzu übermütig bei Regen im Haus herum tobten. Wir maulten. Keine Widerrede, der Regen tut euch nichts, ihr seid doch nicht aus Zucker, hieß es dann. Und sie hatte recht. Die Luft roch herrlich frisch und lockte die bunten Schnecken hervor, die wir dann sammelten und mit denen wir vergnügliche Stunden verbrachten. Schneckenrennen, was für ein Spaß! Weiter im Bericht:

Wir machten uns also nach ewigem Hin-und Herüberlegen, umdrehen und nach Hause fahren oder weitergehen, am nächsten Morgen auf gen Såmmerlappa. Die ersten zwei Stunden waren trocken. Der Weg weiterhin anspruchsvoll. Ich machte auf einer nassen Planke den „Matschkäfer“, als der Regen wieder einsetzte. Zum Glück fällt man mit dem dicken Rucksack stets auf den gut gepolsterten Rücken. Es galt einen Fluss zu durchwaten und über zahllose Steine zu kraxeln. Nach gut fünf Stunden erreichten wir die letzte Stf-Hütte. Die freundliche Stugvårdin brachte uns ein Glas Saft. Wir waren ihre einzigen Gäste. Ich nahm aus Hygienegründen ein Bad im eiskalten See. Erk verzichtete. Wir trockneten unsere Sachen. Das wurde langsam zur Routine. Den Abend verplauderten wir.

Am nächsten Morgen hingen die Wolken zwar noch tief, aber wir konnten trocken starten. Die Birken lichteten sich endlich.

Wir begegneten nur wenigen anderen Wanderern. Während der Mittagsrast fing es wieder an zu regnen. Deshalb gibt es auch von diesem Tag keine weiteren Bilder. Ich rutschte noch einmal aus und der Weg zog sich. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen die Tarraluopalhütten in Sicht. Wir wateten durch einen sehr tiefen Fluss. Ich sah Gewölle und hielt nach dem Verursacher Ausschau. Ob es hier tatsächlich Eulen gab?

Als wir an der Hüttentür ankamen, hieß uns David herzlich willkommen. Er war seit zwei Tagen allein unterwegs gewesen ohne eine Menschenseele zu treffen und freute sich über Gesellschaft. Draußen begann es heftig zu stürmen. Nach einer Weile fanden wir heraus, wie der Gasofen funktioniert. Man muss bloß vor Inbetriebnahme draußen einen Lüftungsdeckel entfernen. Darauf muss man erstmal kommen. Mit Birkenholz zu heizen ist wesentlich einfacher. Wir tranken an dem Abend eine Menge Tee und ein wenig Rum und unterhielten uns gut. David machte sich Sorgen. Er hatte seiner Mutter versprochen, sich unterwegs regelmäßig per Handy zu melden. Leider gibt es in Patjelanta gar kein Netz. Wir beruhigten ihn, aßen gemeinsam und dann war es auch schon wieder Schlafsackzeit. Als ich hinaus ging, um eine letzte Zigarette zu rauchen, flog eine recht große weiße Eule an mir vorbei, der Urheber der Gewölle, manchmal hat das Rauchen auch seine Vorteile.

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