Padjelanta – Nasse Tage Fjäll

Es hätte uns schon vor der diesjährigen Lapplandtour klar sein müssen, dass etwas nicht wollte, dass wir hoch in den Norden fuhren. Die Flüge nach Kiruna waren innerhalb eines Jahres fast doppelt so teuer geworden und der ausgefallene Sommer schrie nach Strandurlaub im Süden. Aber ein merkwürdiger Wille trieb uns an. Ich fand einen einigermaßen bezahlbaren Flug nach Luleå. Von dort aus sollte es noch am selben Tag per Bus weiter gehen nach Jokkmokk. Das Hostel war gebucht. Am Tag vor unserer Abreise verstarb mein Großvater. Oje. Sollten wir doch bleiben? Schwierige Entscheidung. Lappland rief. Wir flogen.

Am nächsten Morgen war der Himmel mit tiefhängenden Wolken bedeckt. Der Bus nach Kvikkjokk, u. a. der Ausgangspunkt für eine Wanderung den Padjelantaleden entlang, ging um 10h. Schnell hatten wir unsere Siebensachen gepackt. Wir waren die einzigen Passagiere. Nach gut zwei Stunden schmiss der Busfahrer uns vor der Kirche in Kvikkjokk raus. Es regnete inzwischen leicht, aber beständig. Auf das Boot mußten wir noch gut zwei Stunden warten. Im Regen. Einen Unterstand gab es nicht. Unsere Laune sank. Der samisch aussehende Bootsmann verbreitete Frohsinn und zeigte uns stolz seine Flüsse.

Ich machte gute Miene zum nassen Spiel. Noch wußte ich nicht, dass die Nässe unser ständiger Begleiter bleiben würde.

Endlich waren wir am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Umgeben von hohen Birken ging es immer am Fluss entlang sanft bergan. Die Wolken hingen so tief, dass wir wenig sehen konnten und die mit Essen voll gestopften Rucksäcke bremsten uns an diesem ersten Tag gewaltig. Aber was soll man machen? Es gibt zu dieser Jahreszeit nichts mehr zu kaufen auf den folgenden 145 km. Die Hütten schließen Anfang September und hungrig zu wandern ist keine gute Idee. Es tröstete, dass das Gewicht durch den Verzehr jeden Tag etwas sinken würde.

Der Regen machte eine kurze Pause und wir entdeckten nach drei Stunden einen perfekten Zeltplatz vor einer Brücke. Es war schon fast 18h, also packten wir kurzerhand das Zelt aus und stellten es auf. Soweit, so gut. Kaum hatten wir unser mexikanisches Reisgericht verzehrt, setze der Regen wieder ein. Wir legten uns in unsere Schlafsäcke und schliefen schon um 21h wie die Murmeltiere.

Es regnete und regnete. Wir frühstückten warmes Müsli im Zelt und gaben die Hoffnung auf ein trockenes Zelt auf. Nach gut einer Stunde erreichten wir die erste Stf-Hütte, Nunjes. Dort durften wir uns kurz aufwärmen. Die Frau, die dort als Stuvgård arbeitete, erzählte uns, dass die nächsten sechs Kilometer wirklich schwierig zu gehen seien, gerade bei nassem Untergrund. Es ging an die 100 m hoch, eigentlich nicht der Rede wert, einen sehr steinigen Pfad entlang. Wir krochen über die glitschigen Steine und ich war sehr dankbar für den Neoprenhüftgurt, den mir eine deutsche Wanderin, die kurz vor Abschluß ihrer Wanderung stand, gegeben hatte. Wir erreichten die nächste Hütte, Tarrekaise, nach geschlagenen vier Stunden. Es war zwar erst drei Uhr nachmittags, aber wir entschieden, dort zu bleiben und erst einmal alles zu trocknen. Von diesem Tag gibt es auch keine Fotos, weil es schlicht zu nass war. Wir verbrachten den Nachmittag Tee trinkend und mit einer sehr netten Frau aus Hamburg plaudernd. Gegen Abend kamen drei sehr nasse schwedische Wanderer, die jährlich eine Tour zusammen machen. Sie brachten gute Laune und eine Menge Alkohol mit, den sie großzügig teilten. Der schöne Abend tröstete uns über den nassen Start hinweg.

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