Weserlängs 4

Am nächsten Morgen sah es verdächtig nach Regen aus. Wir packten das seltsamerweise völlig trockene Zelt ein, frühstückten und machten uns zeitig auf den Weg.

Nach einer guten halben Stunde erreichten wir Cuxhaven. Das Städtchen entpuppte sich als voll ausgebaute und erschlossene Touristenhochburg inklusive riesigen Appartmenthochhäusern direkt am Meer. Nicht ganz unser Fall. Wir umrundeten die Landnase und fuhren weiter, endlich wieder mit dem Wind. Es begann leicht zu regnen. Als wir eine kurze Pause machen wollten, tauchte wie aus dem Nichts ein Strandkorb an einer Hauswand auf, sehr praktisch. Leider wurde aus dem sanften Getröpfel bald ein ausgewachsener Dauerregen.

Wir durchquerten den Containerhafen, sehr aufregend, kilometerweise Luxuskarossen und reger LKW Verkehr, und erreichten schließlich Bremerhaven. An einer Schleuse mußten wir eine ganze Weile warten. Danach waren wir so nass, als hätten wir in voller Montur ein Bad in der Nordsee genommen. Mir wurde langsam kalt. Da half auch die mentale Vorstellung, mir sei warm nichts. Wir nahmen die Fähre nach Nordenham und fuhren schnell in die Stadt hinein. Direkt am Marktplatz lag das im bikeline Führer als fahradfreundlich ausgewiesene Hotel. Wir flossen hinein. Ja, sie hätten ein Zimmer für uns, die Räder könnten wir in der Tiefgarage parken.

Wir schleppten unser Gepäck zum Aufzug. Im vierten Stock erwartete uns ein behagliches Zimmer. Ein heiße Dusche und ein Becks später hatten sich alle unangenehmen Gefühle in Wohlgefallen aufgelöst. Zur Feier des Tages, beschlossen wir im hoteleigenen Bistro ein lecker Steak zu essen. Wenn schon, denn schon. Vorher machten wir noch einen kurzen Rundgang durch die etwas trostlos wirkende Innenstadt. Aber der Eindruck kann auch durch den Regen erzeugt worden sein.

Der Fahrstuhl regte zum Herumalbern an. Mit einem köstlichen Steak im Bauch sieht die Welt doch gleich ganz anders aus…

Am nächsten Morgen labten wir uns am luxuriösen Frühstücksbuffet und brachen früh auf. Wir wollten es bis zum Wümmeradwegabzweiger schaffen.

Das Wetter zeigte sich zum Glück wieder von seiner freundlichen Seiten und kaum hatten wir uns versehen, waren wir auch schon auf der Fähre Richtung Bremen Vegesack. Für den Wümmeradweg hatten wir zwar keine Karte, aber der würde doch bestimmt fantastisch ausgeschildert sein – denkste Puppe. Wir verfransten uns mehrere Male. Erks Stimmung sankt gen Gefrierpunkt und ich hatte allmählich auch die Nase voll. Neben der Wümme auf dem Deich war es anfangs zwar richtig schön (Naturschutzgebiet), aber dann entfernte sich der Weg immer weiter. Die Landschaft war auch nicht besonders spektakulär.

Irgendwie landeten wir in Ottersberg, ein Bahnhof auf der Strecke Bremen-Hamburg. Klare Sache, wir würden abkürzen und schon heute nach Melbeck Bahnhof das Haus meiner Eltern hüten fahren. Super Idee. Im Zug ergab sich ein interessantes Gespräch mit einer Grundschullehrerin aus Otterndorf, da waren wir doch auch gerade durch gekommen und einem Mann, der später zu stieg. Ich liebe solche Begegnungen.

In Lüneburg gönnten wir uns vor der Weiterfahrt eine köstliche original italienische Pizza am Sande und radelten schließlich glücklich heim. 105 km waren es doch wieder geworden.

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