Weserlängs 3

Am Morgen warf ich fröstelnd einen Blick auf Erks Tacho. 3°C. Ich hatte Glück gehabt, meine Sommerdaune hatte mich einigermaßen warm gehalten, aber Erk hatte in seinem Kunstfaserschlafsack richtig doll gefroren.

Soviel zum Thema „Sommer“. Zum Glück erwärmte sich die Luft recht zügig. Wir packten und beschlossen, nur schlapp 30 km nach Bad Oeynhausen zu fahren. Dort wohnt seit kurzem Felix. Pizza, ein weiches Bettchen und Schonung für den vom Ledersattel mal wieder wundgescheuerten Sitzbeinhöcker.

Am nächsten Morgen starteten wir ausgeruht mit Rückenwind. Der Radweg aus Bad Oe heraus verläuft meist im Grünen und kaum dass man sich versieht, hat man die Stadt auch schon hinter sich gelassen.

Die Porta markiert sehr prägnant das nördliche Ende des Weserberglands. Von dort an geht es flach, direkt an der Weser entlang voran. Wir kamen zügig voran. Durch Minden und immer weiter trieb uns der freundliche Wind. Kurz vor Stolzenau, der Weg führt dort eher über Land, nicht mehr direkt am Weserufer entlang, beschlossen wir, uns für die kommende Nacht eine feste Unterkunft zu suchen. Gewitter lag in der Luft. Ich telefonierte mit dem Naturfreundehaus in Nienburg. Kein Problem, wir kämen schon unter.

Ich entdecke diesen netten Zeitgenossen auf einer Wiese. Wir hielten an. Erk wollte ein Bild machen, aber der Storch zeigte uns hartnäckig sein Hinterteil. HATSCHI! prustete Erk unglaublich laut. Der Storch hob überrascht den Kopf und drehte sich halb zu uns. Klick. Und ich bekam einen Lachanfall, ob Erks ungewöhnlicher Methode, die Aufmerksamkeit eines Fotoobjekts zu erregen.

In Nienburg bekamen wir ein ganzes Haus nur für uns. Das Gewitter zog vorbei, aber ich habe selten besser geschlafen. Das Wetter war am nächsten Morgen kühl und wechselhaft und der Wind hatte auf Nordwest gedreht. Ungünstig. Das sollte auch über das kommende Wochenende so bleiben. Wir quälten uns nach Verden, nahmen unsere Stulle unter einer Brücke ein und diskutierten. warum sollten wir eigentlich nicht zwischendurch nach Hause fahren? Gedacht, getan. Das war auf der einen Seite blöd, weil wir dadurch wieder in den Alltagstrott kamen, auf der anderen gut, weil ich mein Halsweh auskurieren konnte.

Am Montag starteten wir direkt von zu Hause Richtung Cuxhaven. Clever, weil an dem Tag Ostwind war und er danach wieder auf Nordwest drehen sollte. Wir würden einfach anders herum fahren und dem Wind ein Schnippchen schlagen.

Von dem Anleger Landungsbrücken ging es mit der Fähre nach Finkenwerder. Da wohnen wir nun schon seit über drei Jahren in Hamburg und hatten es bis dato nicht geschafft, diese Möglichkeit zu nutzen. Nachdem wir das alte Land verlassen hatten, wurde die Verkehrsdichte erträglich. Die Landschaft ist von diversen Deichen geprägt. Wir fuhren durch hübsche Dörfer, immer weiter Richtung Westen. Am Nachmittag erreichten wir den Campingplatz Krautsand, unsympathisch. Der nächste war leider erst in Ottendorf, kurz vor Cuxhaven. Aber hey, was sind schon vierzig Kilometer. Die Sonne lachte, der Wind trieb uns voran und wir wurden nach 112 Kilometern mit einem wunderschönen Platz direkt an der Nordsee belohnt!

Nach einem schlichten Reisgericht, das nahe gelegene Restaurant servierte nach 19 (!) h kein Essen mehr, machten wir es uns auf dem Deich gemütlich und sahen der Sonne beim Sinken zu. In der Nähe trug ein frisch gebackener Bräutigam seine Braut ins Wasser. Was für ein Tag!

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