Weserlängs 2

Die Sonne weckte uns früh aus einem dornröschengleichen Schlaf, naja, fast. Die erste Nacht im Zelt verläuft fast immer unruhig. Die Isomatte ist ungewohnt hart, die Geräusche hören sich im Zelt seltsamerweise lauter an als draußen und das mit dem Kopfkissen haben wir auch noch nicht optimal gelöst. Meistens gibt es ein Klamottenknäul, aber das rutscht ständig weg. Ich habe jetzt ein aufblasbares Kissen, aber das knartscht, sobald man den Kopf bewegt.

Dornröschen rief, auch wenn das die Bewältigung von gut 400 Höhenmetern bedeutete. Mein unschlagbares Argument gewann, morgens ist man noch frisch und bergauf fahren ist immer ein gutes Konditionstraining. Der Fährmann lachte uns aus und meinte, dass alles besser werden würde, wenn das steinerne Bison in Sicht komme. Nun denn. Nach einer guten Stunde erspähte ich es, schweissgebadet. Von wegen besser. Ich musste auf das kleinste Kettenblatt schalten und konnte doch nur noch im Stehen fahren. Das gute an Bergen ist, dass man irgendwann unweigerlich den höchsten Punkt erreicht hat. Wir genossen leichte Abfahrten und einen wunderschönen Wald. Keine Autos. Himmlisch.

Schon beeindruckend, dass die Menschen im Mittelalter mit bloßer Muskelkraft solche riesigen Burgen bauen konnten. Heute befindet sich dort ein Hotel mit angeschlossenem Restaurant und Theatersaal. Wir hielten uns nicht lange auf und genossen die Abfahrt durch eine sehr abwechslungsreiche Hügellandschaft.

Das letzte Wegstück führte uns auf einer Schotterpiste durch ein riesiges Naturschutzgebiet. Anstrengend zu fahren, aber die friedliche Atmosphäre entschädigte uns reichlich. In Bad Karlshafen trafen wir wieder auf die Weser. Wir ließen das barocke Städtchen besichtigt hinter uns, radelten ein Stückchen an einer Bundesstraße entlang und dann direkt an der Weser. Autofrei. Ein wundervoller, frisch asphaltierter Radweg. Luxus. Bei Kaffee und Kuchen in Wehren beschlossen wir, den Campingplatz in Holzminden anzusteuern. In Höxter mußten wir die Flußseite wechseln, Radwegsanierung. Gute Sache. Wir verfuhren uns fast und erreichten Holzminden früher als erwartet. Der Platz war auf der anderen Seite. Riesengroß mit angeschlossenem Freibad, Halligalli und Highlife. Nicht gerade unser Ding. Schweren Herzens strampelten wir weiter nach Polle und wurden mit einem schnuckeligen, kleinen Platz belohnt. Blitzsaubere, neue Sanitäranlagen, lecker Bierchen und ein köstliches Abendessen. Mehr als verdient nach unfreiwilligen 85 km.

Am nächsten Morgen bewunderte ich den Sonnenaufgang und ging nach dem Schreiben Brötchen jagen. Die gab’s beim Fleischer, der noch ein echter Fleischer war. Die Wurst sah so gut aus, dass ich ein paar Scheiben kaufen mußte und die Fleischersfrau war sehr nett. Ich drücke ihr die Daumen, dass die Menschen wieder mehr Wert auf guten Geschmack legen!

So langsam entwickelte sich unsere übliche Radelroutine. In der ersten Fahrstunde war’s noch trocken und wir hatten Rückenwind. Es ging fast unheimlich schnell voran. Das sollte sich bald ändern. Es wurde kühler und der Wind drehte auf Nordwest. Und er nahm von Stunde zu Stunde zu. Immerhin blies er auch die Wolken weg. Mittags kamen wir an Hameln vorbei. Kein Besichtigungsbedarf. Kurz hinter Hameln stürzten wir uns auf unsere Kniften. Gegenwind macht extrem hungrig. Die letzten 20 km nach Rinteln waren eine echte Qual. Zum Glück war der Campingplatz direkt neben dem Zentrum klein und gemütlich. Wir ließen uns auf den Rasen fallen und konnten uns erst nach einem Bier dazu aufraffen, das Zelt aufzubauen und zu duschen-

Gestärkt machten wir uns auf Nahrungssuche, ein großes Steak sollte es sein. Rinteln bezauberte uns. Lauter niedliche Fachwerkhäuser, wunderschön. Ich fragte die Drogerieverkäuferin nach einem guten Lokal. Sie empfahl das “Leib und Seele”. Wir fanden es und gaben ihr recht. Guter Service, gutes Essen, schönes Lokal! Müde und satt fielen wir früh in die Schlafsäcke. Es war empfindlich kühl geworden. Würden unsere Sommerschlafsäcke uns genügend Wärme bieten?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s