Birdy Nam Nam

Ich weiß, es ist ein alter Hut. Massentierhaltung ist großer Mist, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Industrie verwurstet gequälte Kreaturen, bis zur Stehkrause voll mit Antibiotika. Die WHO warnt vor Pandemien ausgelöst durch mutierte Viren entstanden in den beengten Lebensverhältnissen. Viele Kinder leiden unter allen möglichen Allergien – so etwas gab es noch nicht, als ich Kind war – und wir werden immer fetter und kränker. Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs sind die häufigsten Todesursachen in den Industrienationen. Von den Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Erderwärmung will ich gar nicht erst anfangen.

Eigentlich weiß jeder von uns um diese Dinge. Jeder hat mindestens einmal einen Bericht über die katastrophalen Zustände sowohl in der Haltung, als auch der Schlachtung von industriell erzeugten „Tieren“ gesehen oder zumindest angefangen zu schauen und dann doch vielleicht schnell weggezappt, weil sich diese Bilder einbrennen. In mir erzeugten sie Scham, ja, ich habe auch zu ihrem Schicksal beigetragen, indem ich Fleisch kaufte, Ekel und das unbestimmte Verlangen, etwas zu tun, um diese Zustände zu ändern. Aber was soll man schon ausrichten als einziger  gegen die Industrie mit ihren Heerscharen von Lobbyisten, die die Geldstrafen für ihre Umweltsünden mit einem Lächeln ableisten? Es ist sehr leicht, an diesem Punkt stehen zu bleiben und resigniert mit den Schultern zu zucken.

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Macht sehr viel größer ist, als wir denken. Wem verdanken die Konzerne denn ihre gigantischen Gewinne? Uns natürlich. Mit jedem Euro, den wir für ihre Produkte ausgeben, unterstützen wir sie und bekommen dafür manchmal sogar nur Wasser. Das stieß mir bei der Lektüre des ausgezeichneten Buches „Tiere  essen“ von Jonathan Safran Foer am stärksten auf. Aus Verlegenheit um eine vertrauenswürdige Geflügelquelle kaufte ich letzte Woche ein Paket Hähnchenbrustfilet im Supermarkt. Es sollte ein Hühnchencurry geben, wir erwarteten Besuch. Natürlich hatte ich ein schlechtes Gewissen. Aber die Verdrängung funktionierte reibungslos. Bis ich las, dass die Hühnchen nach dem Ausbluten nacheinander im gleichen Becken gebrüht werden und eine Weile im Wasser gelassen werden, damit sich das Fleisch vollsaugen kann. In dieser Brühe befinden sich auch die Fäkalien der getöteten Tiere. Ein wundervoller Cocktail entsteht. Und zum teuer erkauften Wasser bekommt der Kunde dann auch gern ein Magen- und Darmgrippe gratis mitgeliefert. Ja ja, sie grassiert gerade…

Ich habe beschlossen, meine Macht zu nutzen und den Kauf dieser Produkte schlicht zu verweigern. Natürlich wird die Nahrungsbeschaffung dadurch etwas umständlicher und der Speiseplan deutlich vegetarischer. Eier zum Beispiel kann ich gelegentlich vom Nachbarn meiner Mutter bekommen. Der hält eine kleine Gruppe Hühner in seinem Garten. Ich kann über den Zaun schauen und ihnen beim Picken zusehen. Sie sehen zufrieden aus und ihr Gefieder ist meist intakt. Meine Mutter wohnt allerdings sechzig Kilometer von mir entfernt und wenn der Eiervorrat alle ist, gibt’s halt keine mehr. Und in mein gestern gekochtes Hühnchencurry Punjab wanderte statt Hühnchen Tofu. Es schmeckte ausgezeichnet.

Natürlich weiß ich, dass man sich nicht hundertprozentig korrekt verhalten kann. Der Gemüseanbau funktioniert ähnlich wie die industrielle Fleischproduktion und manchmal habe ich schon Lust auf Tomaten, wenn es bei uns noch keine gibt… Es geht auch gar nicht darum, dogmatisch irgendwelchen strengen Richtlinien zu folgen. Ich plädiere lediglich für bewusste Entscheidungen. Was gar nicht so einfach ist, angesichts der sauber verpackten Supermarktware, aber man kann einen Moment inne halten und überlegen, ob man die Dinge wirklich kaufen möchte oder ob nicht manchmal ein Verzicht möglich ist. Zuviel Fleisch ist eh ungesund. In diesem Sinne, guten Appetit!

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Ein Gedanke zu „Birdy Nam Nam

  1. Ja so ist es
    immer beim einkaufen daran denken
    das ist schn eine menge , die man machen kann
    Du weißt ja alles, mach es dann auch so
    Gut geschrieben übrigens
    Küsschen , Mama

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