18. Engel

Seit Anbeginn der menschlichen Aufzeichnungen tauchen Bilder und Geschichten von geflügelten Wesen auf, die einem oder mehreren Göttern dienen. Sie sind körperlos und haben die Aufgabe, zwischen Gott und den Menschen zu vermitteln. Soweit, so gut. Aber was hat es nun auf sich mit den Engeln? Mir ist noch keiner begegnet, jedenfalls nicht als Erscheinung.

Eine andere Art der Engel ist mir aber tatsächlich schon begegnet. Der Schutzengel. Ich glaube, jeder hat schon einmal ein Erlebnis gehabt, bei dem er in letzter Sekunde irgendeiner Gefahr entrann. Um nur ein Beispiel zu nennen: vor einigen Jahren fuhr ich auf Inlineskates durch Kiel. Ich fuhr auf dem Bürgersteig. Aus einer Einfahrt schoss ein Auto, dass mich nur um Haaresbreite verfehlte. Ich stürzte zwar, aber ich war unverletzt. Es scheint sie also tatsächlich zu geben. Wieso sollte es dann die anderen nicht geben?

Vielleicht trägt die Aufklärung ihren Teil dazu bei. „Ich denke, also bin ich“. Seit diesem Ausspruch Descartes wird dem Verstand eine übergeordnete Rolle zugesprochen. Analysieren, strukturieren und planen. Darauf kommt es an. Ein Test allerdings ließ die Hirnforscher vor ein paar Jahren stutzig werden. Sie verkabelten ihre Probanden, so dass sie während des Tests deren Hirnaktivität beobachten konnten. Die Probanden sollten ihren Zeigefinger krümmen und zu dem Zeitpunkt, zu dem sie sich bewusst dazu entschlossen, auf einen Knopf drücken. Es zeigte sich, dass die Aktivität im Hirnareal, das für die Krümmung des Zeigefingers zuständig ist, bereits etliche Sekunden vor der bewussten Entscheidung begann. Wir entscheiden also gar nicht bewusst selbst, sondern es (was auch immer) entscheidet für uns. Beängstigend. Haben wir also gar nicht die absolute Kontrolle, nach der wir uns so sehnen?

In einem anderen Versuch ging es darum, festzustellen, ob bewusst oder intuitiv getroffene Entscheidungen „besser“ sind. Die Probanden sollten im ersten Durchlauf das beste aus vier Automodellen anhand von drei Kriterien auswählen (Preis, Verbrauch, Ausstattung). Eine Gruppe sollte bewusst entscheiden, die andere wurde abgelenkt (durch Musikhören) und sollte dann spontan entscheiden. In diesem ersten Versuch schnitten beide Gruppen ungefähr gleich gut ab. Im zweiten Durchlauf galt es ebenfalls das beste Auto zu wählen, nur waren es dieses Mal zehn Wagen und zehn Entscheidungskriterien. Dieses Mal war die zweite Gruppe, die sich intuitiv entscheiden sollte, klar im Vorteil. Es scheint, als könne unser Hirn komplexe Zusammenhänge besser ohne unser bewusstes Mitmischen verarbeiten.

Das machte mich nachdenklich. Ich las diese Artikel übrigens in einem GEO WISSEN (Nr. 45 – 05/10 – Was will ich?). Ich hatte auf meine rationale Intelligenz immer große Stücke gehalten. Als ich so vor mich hin sann, fiel mir eine Episode ein, die sich vor gut sieben Jahren zutrug. Erk und ich waren zum ersten Mal für eine Woche mit dem Fahrrad unterwegs. Von Kiel ging es an die Nordseeküste und dann weiter an ihr entlang. Wir hatten damals noch unsere alten Fahrräder. Erks Puch hatte schon gut zwanzig Jahre auf dem Buckel. Am Eidersperrwerk passierte, was passieren musste. Es knirschte und knackte im Antrieb des Puch und das Hinterrad blockierte. Erk rastete aus. Weit und breit keine Fahrradwerkstatt und auch sonst wenig Infrastruktur. Besonders viel Werkzeug hatten wir auch nicht dabei. Ich bat ihn, hinunter an den Strand zu gehen. Ich wollte mir die Misere in Ruhe anschauen. Irgendetwas blockierte, so dass das Hinterrad sich nicht mehr drehte. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich es gemacht habe, aber plötzlich fielen lauter kleine Kugeln in den Schotter. Ich sammelte sie wieder ein und baute den Freilauf (wie ich später erfuhr) wieder zusammen und das Rad fuhr wieder. Ich hatte von Fahrradreparatur wirklich nicht besonders viel Ahnung, aber irgendwie war es, als führte jemand meine Hand. Ob das vielleicht auch ein Engel war?

Ich bin jedenfalls dafür, offen für alles mögliche zu sein. Wer weiß, vielleicht sieht man tatsächlich mal einen Engel durch die Gegend fliegen. 🙂 Jetzt zur Weihnachtszeit dürften einige unterwegs sein…

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