17. Schnee

Gestern rieselte er eher leise als laut. Das Wetter hatte sich richtig ins Zeug gelegt und hielt mich davon ab, nachmittags einen Spaziergang zu machen. Der Wind wehte recht kräftig aus Südwest und trieb die dicken Flocken vor sich her. Gute zehn Zentimeter kamen zusammen. Ich liebe Schnee! Er hüllt all die Hässlichkeit der Welt in unschuldiges Weiß.

 

Na, welche Autos werden nicht täglich bewegt?

 

Er dämpft die Geräusche und zwingt das alltägliche Leben in eine Langsamkeit, die mir zusagt. Es ist Winter. Im Winter fällt Schnee. Wir hier in Norddeutschland haben die letzten zwanzig Jahre über leider vergessen, das es so ist. Deshalb fällt plötzlich wegen fünfzehn angekündigten Zentimetern Neuschnee die Schule allerorts aus. Vor fünfzig Jahren hätten die Schulkinder nur müde über die Gefahren des Ausrutschens gelacht und wären in ihren Wollstrumpfhosen und -mänteln die zehn Kilometer gern zur Schule gestapft. Zu Fuß versteht sich. Naja, die Zeiten ändern sich.

 

Stillgelegt

 

Zugegeben, mit dem Fahrrad irgendwo hin zu fahren bietet sich nicht an. Gehen geht besser. Und läßt man einmal die häßlichen Seiten des städtischen Winters hinter sich…

 

Autos verwandeln die weiße Pracht in Matsch

 

… betritt man eine Winterwunderwelt, wie sie im Harz oder in den Alpen nicht schöner sein könnte. Genau wie in den Wolken kann man im Schnee bizarre Gestalten ausmachen:

 

Afrikanische Damen mit Häubchen

Um solche Details auszumachen, ist der alltägliche Blick oft zu fokussiert. Die Kälte nervt, die Schuhe werden schmutzig und überhaupt, was muß ich noch einkaufen? Ich nahm mir heute die Zeit einmal genauer hinzusehen, welchen Zauber die weißen Flocken verbreiten.

 

Hübsches Kleid

 

 

 

Und ich staunte und war völlig gefangen genommen von der winterlichen Pracht. Die Kinder genossen den Schnee genauso.

 

Wenn nur der mühsame Aufstieg nicht wäre

 

Ich erinnerte mich. Als ich in dem Alter war, verbrachten wir herrliche Rodelnachmittage am Bach. Ein sanfter, immer steiler werdender Hügel führte mit einer 90° Rechtskurve auf ihn zu. Unsere Wollfäustlinge waren bereits nach kurzer Zeit doppelt so schwer von den daran klebenden Schneeklumpen. Jacke und Hosen waren klatschnaß. Gefroren haben wir trotzdem nie. Das Schlitten wieder den Berg rauf ziehen war viel zu anstrengend. Wenn die Dämmerung herein brach, schlurften wir müde und glücklich nach Hause.

 

Da liege ich im Sommer immer in der Sonne 🙂

Jetzt, nach meinem Spaziergang, empfängt mich die Wohnung mit wohliger Wärme. Ich stelle einen Topf mit Glühwein auf den Herd und sichte meine Bildausbeute. Erk kommt nach Hause und wir genießen den ruhigen Winterabend gemeinsam. Warum sollte man aus einem bißchen gefrorenen Wassers auch ein Drama machen?

 

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