13. Das Geschenk

Das Verb „schenken“ bedeutete ursprünglich „zu trinken geben“. Erst im Spätmittelhochdeutschen hat sich daraus über „darreichen“ die Bedeutung „unentgeltlich geben“ entwickelt. Das Geschenk war also das Eingeschenkte. Ein Glas Wein beispielsweise. Daraus hat sich eine höchst komplizierte Angelegenheit entwickelt.

Jetzt, da es rasant auf Weihnachten zugeht, stellt sich fast allen Menschen auf der ganzen Welt die quälende Frage: was schenke ich bloß? Warum ist es so schwer zu schenken? Die Unbefangenheit des Gebens und des Annehmens ist uns im Laufe des Erwachsenswerdens verloren gegangen. Hieß es früher noch spontan zur besten Freundin: „Hier, schenk ich dir!“ (und der Plüschhase hatte den Besitzer gewechselt), so ist das Schenken als Erwachsener kaum leichter als eine Wanderung durch ein Minenfeld.

Das Geschenk darf nicht einfallslos sein, nicht zu billig, nicht zu teuer und der Beschenkte darf es noch nicht besitzen. Ein Buch ist langweilig, obwohl Bücher natürlich immer gehen, aber auch hier besteht die Gefahr, dass der Beschenkte das Buch bereits gelesen hat. Außerdem soll’s ja auch „was für’s Herz“ sein. Je näher man dem Beschenkten steht, desto schwieriger wird es. Hat er vielleicht irgendwann einmal einen Wunsch geäußert? Man kann sich dummerweise nicht daran erinnern und natürlich hat man sich keine Notizen gemacht. Auch nicht, als man das perfekte Geschenk für denjenigen sah – irgendwann im Sommer. Das vergesse ich bestimmt nicht! Dumm gelaufen.

Es gibt natürlich auch den Fall, dass man glaubt, das perfekte Geschenk gefunden zu haben und dann kommt der Moment der Wahrheit. Das Auspacken. Erwartungsvolle Spannung und noch bevor der Beschenkte etwas sagt, ist klar, dass man vollkommen daneben lag…

Jetzt sind es noch elf Tage und wie jedes Jahr stehe auch ich ratlos vor der Frage: was schenke ich bloß? Zum Glück muss ich mir dieses Jahr nur ein Geschenk ausdenken. Wir haben gelost und jeder schenkt einer Person aus dem Familienkreis jeweils ein Geschenk. So bekommt jeder auch nur eins. Keine Berge mehr unter dem Weihnachtsbaum, mehr Besinnlichkeit. Ich bin gespannt. Das macht es natürlich nicht wirklich leichter. Ich habe die am schwierigsten zu beschenkende Person gezogen, ganz sicher! 🙂

Und ich habe noch nicht die blasseste Ahnung. Die Zeit drängt. Ich hoffe immer noch auf eine göttliche Eingebung, aber wenn die nicht kommt, werde ich einen Stadtbummel zur Inspiration machen müssen. Stadtbummel gehören auch das übrige Jahr nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich habe die trockene Luft in den Kaufhäusern schon als Kind gehasst. Draußen friert man, drinnen schwitzt man sich in seiner Winterjacke zu Tode. Es ist voll. Menschen wuseln durcheinander, alle hektisch auf der Suche. Man bekommt Durst, Rückenschmerzen und muss auf die Toilette. Und findet letztlich doch nichts.

Deshalb werde ich heute vor dem Einschlafen beten und morgen früh weiß ich dann hoffentlich, was ich verschenken werde. 🙂 Und wenn ich es dann auch noch besorgen kann, bin ich glücklich!

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Ein Gedanke zu „13. Das Geschenk

  1. Jaha
    Das sind die Sorgen von Leuten, die sich von so einer
    simplen Aufgabe Stress machen.
    Sie es einmal Locker. Du brauchst nicht das Ultimative
    Geschenk zu machen.
    Du musst nicht immer das schönste schenken.
    Wir alle wissen, es kommt von Herzen.

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