5. Entkrempelung

Der zweite Advent präsentierte sich grau und nasskalt. Das ideale Wetter, um dem Krempel zuleibe zu rücken.

Brrr, das hatten wir doch grad!

Krempel hat die Eigenschaft, sich überall dort anzusammeln, wo Menschen sich niederlassen. Es handelt sich um all die Gegenstände, deren Existenz wir entweder bereits vergessen haben (oh, die scheußliche Häkeldecke von Tante Ilse, ich dachte, ich hätte sie längst entsorgt!) oder um Dinge, die uns zwar Unbehagen bereiten, wenn wir sie ansehen oder benutzen, die wir aber nicht wegzuwerfen wagen. Aus welchen Gründen auch immer.

Will man sich dem Krempel  ernsthaft stellen, gilt es, zwei wichtige Fragen zu verinnerlichen. 1. Bist du, Gegenstand, mir nützlich und benutze ich dich gern? 2. Hast du aus welchem Grund auch immer einen Platz in meinem Herzen? Und auf geht’s. Wir begannen mit unserem Vorratsschrank. Ich neige dazu, Lebensmittel für alle Eventualitäten zu horten. Nein, ich wohne nicht in der Einöde. Der nächste Supermarkt ist in schlappen fünf Minuten zu Fuß zu erreichen. Er hat von 8 – 22h geöffnet. Ähm… Wir fanden ein Glas Cranberries, das in wenigen Wochen ablaufen wird. Wieso hab‘ ich die bloß gekauft? Drei Gläser Honig, naja, ist immer gut, wenn man ein Glas Honig in petto hat. Dreierlei Sorten getrocknete Bohnen und Linsen, ein Kilogramm Hirse. Jetzt gibt es also in den nächsten Wochen Hirsebrei mit Cranberries und Bohneneintöpfe. Das Zeug muss weg.

Nachdem wir mit dem Vorratsschrank fertig waren, fühlten wir uns bereits mächtig erschöpft. Sich von überflüssigen Dingen zu befreien kostet unglaublich viel Kraft. Wir stärkten uns und machten uns dann an den schwierigsten Krempellagerort: den Kleiderschrank. Wir besitzen einen 2 m mal 2 m großen und 60 cm tiefen Kleiderschrank von Ikea, wie ca. 80% der deutschen Bevölkerung. Immerhin fasste er bislang sowohl meine als auch Erks Klamotten – Sommer- und Wintersachen, versteht sich – und Bettwäsche und Handtücher. Nun wurde es langsam eng. Da half nur eins, weg mit all den unbequemen, ungeliebten Klamotten. Ich trennte mich endlich von meiner etwa einer halben Nummer zu kleinen Jeans. Die hatte ich regelmäßig anprobiert, nur um festzustellen, dass sie mir immer noch zu eng war. Das machte schlechte Laune! Aus dem Kleiderschrank holten wir drei große Säcke Altkleider, nicht schlecht.

Dann kümmerten wir uns noch um Badezimmerschrank, Küchenschränke und den Dachboden. Als letztes kam der Keller dran. Inzwischen war die Laune auf dem Tiefpunkt. Das begünstigt eine spontane Entscheidung zur Trennung. Aus dem Keller holten wir drei große Kisten Müll. Weg damit und Feierabend! Geschafft. Wir waren zwar noch nicht hundertprozentig konsequent (wieso schaffe ich es nicht, mich von gelesenen Büchern zu trennen, wie z. B. „Die Buddenbrooks“?), aber immerhin. Wenn die Erschöpfung weicht, wird sich ein Gefühl der Zufriedenheit in uns breit machen. Ich bin sicher. Und dann können wir die zweite Kerze auf unserem Adventskranz anzünden, einen Becher Glühwein trinken und die neue Leichtigkeit genießen!

Und beim nächsten Mal wird uns die Trennung bestimmt noch viel leichter fallen 🙂

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