Nordsucht 7

Das Wetter war am nächsten Morgen so schön, dass wir darauf verzichteten, mit der Bahn nach Laktajåkka zu fahren.

Stattdessen gingen wir die 11 km auf dem Rollarvägen. Der schlängelt sich entlang der Eisenbahntrasse Richtung Osten. Es war zudem absolut windstill.

Zu unserer Linken lag der Vassejarvi (See), zur Rechten sanfte Hügel. Die Laubfärbung erinnerte mich an unsere Radtour durch Neuengland vor fünf Jahren. Wir überquerten einen reißenden Fluss.

Und fühlten uns trotz der dicken Rucksäcke endlich unbeschwert. Nebel kam auf und hüllte den Bahnhof von Vassijaure in ein gespenstisches Licht.

Wir hatten die ersten sechs Kilometer zurückgelegt und gönnten uns eine kleine Pause. Nach einer weiteren Stunde erreichten wir den Bahnhof von Laktajåkka. Von dort aus mussten wir 600 Höhenmeter zum Gipfel des Loktajohkka aufsteigen. Dabei wird einem erfahrungsgemäß ordentlich warm. Auf dem ersten Plateau gönnten wir uns eine weitere Pause.

Das Wetter war herrlich und wir fühlten uns immer noch gut. Der Ausblick war beeindruckend. Wir stiegen weiter entlang eines Flusses bis zur ersten Schutzhütte. Es war Mittagszeit und wir nutzten die Hütte für ein luxuriöses Lunch mit Kaffee. Und weiter ging es. Langsam veränderte sich die Landschaft. Die Vegetation schwand und machte Schiefergeröll platz.

Das letzte Stück des Aufstiegs war sehr steil und wegen des losen Gerölls teils schwierig zu gehen. Wir kamen am frühen Nachmittag an der Laktajåkkastugan an. Sie war leider seit einer Woche geschlossen. Wir hofften, im Winterschutzraum übernachten zu können. Doch es kam anders. Eine Gruppe von Leuten war gerade dabei die Hütte zu reinigen. Einen Schutzraum gab es nicht. Was tun? Erstmal ein Gipfelfoto schießen.

Danach entschieden wir uns, die 9 Kilometer nach Björkliden zu gehen. Vielleicht gab es dort eine Unterkunft für uns. Zunächst ging es entlang des Gipfelgrats sanft bergab.

Es folgte ein steilerer Abstieg. So langsam wurden wir müde. Der Weg zog sich schier endlos auf einem hügeligen Plateau entlang. Bei jedem Steinmännchen erhoffte ich mir einen Blick ins Tal, aber es folgte nur die nächste Senke mit dem nächsten Steinmännchen auf der nächsten Anhöhe. Ermüdend. Endlich kam das Tal in Sicht. Wir konnten uns kaum noch auf den Beinen halten, stolperten mehr als wir gingen. In Björkliden fanden wir das Hotel recht schnell, aber die Rezeption war bereits geschlossen. Wir sahen uns ratlos an. Da überquerte eine Frau telefonierend den Parkplatz. Ich eilte ihr hinterher. Sie blieb stehen und sah mich fragend an. Ich erklärte ihr unsere Situation und fragte sie, ob sie Richtung Abisko führe. Sie bejahte lachend und sagte, sie wohne sogar dort. Gerettet. Sie setzte uns direkt vor der Turist Station ab. Wir bedanken uns überschwenglich und buchten ein teures Zweibettzimmer. Es gab sogar richtiges Bier.

Wir beschlossen, uns nach 27 km einen Ruhetag verdient zu haben. Als Belohnung gab’s ein leckeres Abendessen im Restaurant der Turist Station. Das schont zwar nicht den Geldbeutel, aber das war uns vollkommen egal.

Am nächsten Morgen gingen wir zuerst nach Abisko Östra zum Einkaufen. Neben dem Supermarkt gab es ein Relikt aus früher Vergangenheit.

Wir kauften ein, gingen zurück, aßen Lunch und brachen zu einem kleinen Spaziergang auf. Das Wetter war nach wie vor herrlich.

Wir spazierten durch das Eingangstor zum Kungsleden, von dem wir bereits ein ordentliches Stück marschiert waren. Es fühlte sich komisch an, ohne Rucksack zu gehen. Unterwegs bot sich ein guter Blick auf die Lapporten, die wir am nächsten Tag bezwingen wollten.

Nach gut zwei Stunden gingen wir am Abiskojåkka zurück in Richtung Turist Station.

Dort angekommen kochte ich uns ein leckeres Chili. Wir schnackten noch eine Weile mit den Leuten in der Küche und gingen wie immer früh zu Bett.

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