Nordsucht 6

Am Morgen war es nicht unbedingt freundlich, aber zumindest trocken.

Ich war ein wenig traurig, weil wir an diesem Tag in die Zivilisation zurückkehren würden. Natürlich freute ich mich auf eine Dusche. Das Waschen am Abend im See war doch recht ungemütlich. Viel mehr als fünf Grad hatte das Wasser bestimmt nicht. Dennoch. Der Großteil unserer Wanderung war vollbracht. Und wir waren uns schon jetzt sicher, dass es nicht die letzte Wanderung hier war!

Bereits um zwanzig vor acht stiefelten wir los. Das war rekordverdächtig früh. Während der ersten Stunde war der Weg am Seeufer entlang noch sehr steinig und extrem schwer zu gehen. Die Felsen waren teils riesig und wirkten wie von einem Bildhauer geschaffen.

In der zweiten Stunde wichen die Felsen. Die Sonne kam heraus und wir schlenderten voran. Plötzlich leiteten uns signalrote Markierungen nach oben. Es galt einen Bergausläufer zu überwinden. Wenn es sehr steil bergauf geht, ist man umso schneller oben. Der Ausblick war beeindruckend. Von Norden schoben sich dichte Nebelschwaden über den See.

Nachdem wir den Ausblick ausgiebig genossen hatten, stiegen wir wieder hinunter zum See. Es ging geradewegs in den Nebel hinein.

Im Nebel war die Sicht nicht so schlecht wie vermutet. Wir erreichten die Hütte des schwedischen Fjällclubs viel früher als erwartet. Sie tauchte ganz plötzlich auf. Natürlich war sie längst geschlossen. Es gab also keinen Kaffee und auch keinen Kuchen. Wir ließen die Brücke über den Gatterjohka links liegen und folgten den Kreuzen des Winterwanderwegs. Ein Pfad war hier nicht mehr erkennbar. Als uns der Hunger gegen Mittag übermannte, aßen wir frohgemut im Nebel.

Nach kurzer Zeit erreichten wir die zweite Brücke und gingen hinüber auf die andere Seite. Von dort aus führte eine breite Schotterstraße nach Katterjåkk, zurück in die Zivilisation. Der Nebel lichtete sich und schon standen wir vor dem Coop. Leider gab es Wein dort nur auf Bestellung, nach drei Tagen könnte man ihn abholen. Wir verzichteten, gönnten uns ein Leichtbier in der Sonne und gingen die letzten zwei Kilometer nach Riksgränsen an der Straße entlang. Der Besitzer der Fjällstation dort war zwar nicht da, aber er erklärte uns am Telefon, wo wir unseren Zimmerschlüssel fänden. Da es erst früher Nachmittag war, kletterten wir noch auf den Hausberg.

Rechts im Bild befindet sich der moderne Lokschuppen. Riksgränsen ist der letzte Ort vor der norwegischen Grenze. Er entstand zusammen mit der Eisenbahnlinie von Kiruna nach Narvik am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das in Kiruna geförderte Erz musste zur Weiterverarbeitung und Verschiffung nach Narvik transportiert werden. Entlang der Eisenbahnlinie kann man auf dem ehemaligen Wirtschaftsweg, Rollarvägen,  bis nach Abisko wandern. Einen Teil dieses Weges würden wir morgen in Angriff nehmen. Allerdings nur bis Låktajåkka. Die Querung des gleichnamigen Berges konnten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

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