Nordsucht 3

Der vierte Wandertag begann um sechs in der Dämmerung. Wenn man schon gegen halb zehn zu Bett geht, steht man gern so früh auf, ich jedenfalls. Es war trocken und wir entschieden uns beim Frühstück, obligatorisches Müsli, auf dem Kungsleden zu bleiben. Wir wollten versuchen, die 24 km nach Alesjaurestugorna an einem Tag zu bewältigen. Es ging zunächst durch das immer schmaler werdende Tjäktatal.

Uns beiden ging es körperlich einigermaßen. Der menschliche Körper ist unglaublich anpassungsfähig. Ich hatte sogar Lust herumzualbern:

Während wir weiter munter durch das leicht bergan führende Tal gingen, überlegten wir, an welcher Stelle es wohl über den Pass gehen würde. Erk vermutete, dass wir Richtung Westen um den Berg Lulip Muorahiscohkka herumgehen würden und ich vermutete, dass wir über den vor uns liegenden Sattel steigen würden. Ich lag richtig. Bevor wir uns an den Aufstieg machten, galt es noch einen Fluss zu queren. Das sah so aus:

Nach einer Handvoll Nüsse erklommen wir die 400 Höhenmeter ohne allzu große Anstrengung. Das einzig Fiese war, dass man immer denkt, man sähe den höchsten Punkt bereits. Erreicht man ihn dann, sieht man, dass es noch weiter bergauf geht und so fort. Gegen Mittag hatten wir den höchsten Punkt erreicht. Die Tjäktastugan, eine Notunterkunft für gestrandete Wanderer. Wir gönnten uns dort eine etwas längere Pause mit Kaffee, bevor wir uns an den Abstieg machten.

Auf den ersten Kilometern ging es über viel Geröll, es war schwierig zu gehen. Das Pärchen, das uns entgegen kam, entpuppte sich tatsächlich als das, das wir in Kiruna am Bahnhof getroffen hatten. Wir hatten gescherzt, dass wir uns sicher auf halber Strecke begegnen würden und siehe da. Nach einem kurzen Plausch gingen wir weiter. Die nächste Hütte kam in Sicht, aber es war erst zwei und wir fühlten uns noch einigermaßen frisch. Also weiter. Das Geröll lichtete sich. Der Weg führte über eine grasbewachsene Hochebene sanft bergab.

Bei der nächsten Rast machte Erk sich daran, ein erstes Selbstauslöserbild von uns zu schießen. Doch bei den ersten Versuchen, war ich immer allein im Bild, er war nicht schnell genug. Irgendwann klappte es doch. Für das Familienalbum:

Danach begann der etwas anstrengende Rest der 24 km langen Wanderung. Ich hoffte, in der Ferne einen Blick auf die Alesjaurestugorna erhaschen zu können, aber es ging einfach nur leicht bergab, von Hochebene zu Hochebene. Der Rucksack wurde schwer und schwerer, die Füsse taten weh, wir hatten keine Lust mehr zu gehen. Hinzu kam ein empfindlich kalter Wind, der von den Bergen herunter blies. Schließlich war es soweit, der Alisjarvi (jarvi = See) kam in Sicht. Nun könne es nicht mehr weit sein, dachten wir.

Aber es zog sich. Immerhin ging es mittlerweile kräftig bergab. Ich sah die Hütten als erste. Wir gingen auf sie zu, aber sie wurden und wurden nicht größer. Wir aßen erschöpft noch einen Riegel, meine Laune war nicht mehr besonders, Erk hielt sich ganz gut.

Wir erreichten Alesjaurestugorna gegen 19h nach gut neun Stunden des Wanderns. Natürlich lagen die Hütten oben auf einem Hügel am See. Wir wurden wie immer freundlich empfangen, mussten jedoch um ein anderes Zimmer bitten. Denn das uns zugeteilte stank so sehr nach Schweiß, dass ich nahezu in Ohnmacht fiel, als ich die Tür öffnete. Wir kochten schnell unser Abendessen, schnackten noch mit einem verrückten Schwedenpärchen, dass von Abisko hierher mit dem Rad gefahren war (auf die Idee wäre ich im Leben nicht gekommen, aber sie behaupteten, es mache riesigen Spaß) und gingen recht spät schlafen. Ich war sehr gespannt, wie ich mich am nächsten Morgen fühlen würde.

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