Nordsucht

Reisevorbereitungen können einem wirklich den letzten Nerv rauben, besonders wenn man plant, ab Mitte September in Lappland zu wandern. Es fängt damit an, dass spätestens ab dem 19. September Ziel-  und Endpunkte der Wanderungen nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind und endet bei der Schwierigkeit, Nahrung für 10 – 14 Tage in einem 70l Rucksack unterbringen zu wollen, neben Zelt, Isomatte und Schlafsack versteht sich.

Warum wir uns trotzdem für dieses Reiseziel entschieden haben? Wo es dort zu dieser Jahreszeit bereits schneien und frieren kann? Das muss der Nordvirus sein, das uns letztes Jahr auf den Lofoten befallen hat. Die Einsamkeit, die Weite der Landschaft und das sich vollkommen ausgesetzt zu fühlen. Und so fanden wir schließlich doch noch eine Route, die erreichbar war.

Wir flogen am 13.09. nach Kiruna. Schon der erste Atemzug beim Verlassen des Flugzeugs war berauschend. Ich habe selten so reine Luft geatmet, obwohl sie mit Kerosin durchsetzt war. Mit dem Bus ging es in die Innenstadt. Dort wanderten wir ein wenig orientierungslos durch die Gegend. Wir fanden Intersport und kauften zwei Gaskartuschen. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Nach einigem Umherirren fanden wir auch endlich das Yellow House Hostel (www.yellowhouse.nu )

Die Sonne kam heraus und nachdem wir es in unserem Zimmer gemütlich gemacht hatten, brachen wir noch zu einem Rundgang durch Kiruna auf. Gleich an der ersten großen Straße bot sich dieser Blick auf die Berge, in die wir am nächsten Morgen fahren würden:

Am Bahnhof erfuhren wir, dass der Bus nach Nikkaluokta (www.ltnbd.se) um 10h am nächsten Morgen fahren würde. Wir kauften noch eine letzte Flasche Wein im Systembolaget und etwas zum Abendbrot und gingen inzwischen reichlich platt zurück zum Yellow House. Schließlich waren wir seit halb fünf auf den Beinen. Dort angekommen gab es noch ein Bier in der Abendsonne.

Der Hostelbesitzer fragte uns dann noch, ob wir schon Brennstoff für unseren Kocher hätten. Wir bejahten. Dumm, meinte er. Da alle von hier aus abflögen, hätte er die ganze Garage voller Gaskartuschen und Kocherbenzin – wieder was gelernt!

Bald schon verschwand die Sonne hinter den Häusern und es wurde sofort empfindlich kalt. Wir gingen auf unser Zimmer, duschten, aßen Abendbrot und verzogen uns recht schnell in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen hatten wir viel zu früh alles gepackt und waren deshalb eine gute halbe Stunde zu früh am Bahnhof. Peter, ein Schwede aus Malmö, wollte auch nach Nikkaluokta. Wir unterhielten uns und er gab uns noch Tipps, welche Strecken besonders reizvoll seien.  Endlich kam der Bus.

Nach einer guten Stunde kamen wir in Nikkaluokta an. Peter verabschiedete sich und eilte von dannen. Wir sortierten uns und begaben uns dann zum Eingangstor zu unserer Wanderung.

Wir hatten uns zwar gesagt, dass wir die 19 km nicht unbedingt am ersten Tag schaffen müssten, aber das Wetter war OK und wir fühlten uns energiegeladen. Nach gut 6 km erreichten wir den Laddjujavri. Dort sollte ein Boot zum anderen Ende des Sees gehen. Durch die Fahrt mit dem Boot spart man ca. 5 km. Das Boot fuhr aber erst in gut zwei Stunden. Also rasteten wir für das Mittagbrot und machten uns dann wieder auf den Weg. In zwei Stunden konnten wir auch per pedes am anderen Ende des Sees sein.

Der Weg führte uns zunächst durch lichte Birkenwälder sanft bergauf und bergab. Hin und wieder sahen wir einen toten Lemming. Gelegentlich überquerten wir moorige oder steinige Stellen auf den typischen Holzbohlen.

Nach gut zwei Stunden hatten wir den Bootsanleger auf der westlichen Seeseite erreicht. Wir tankten Riegelenergie am Meditationsplatz und machten uns an die letzten 6 km nach Kebnekaise Fjällstation. Erk war schon ein bisschen erschöpft.

Aber er trug schließlich auch das ein oder andere Kilogramm mehr. Es ging inzwischen mehr bergauf. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten wir endlich das Rauschen des Darfaljohka. An seinem Ufer kurz vor der Brücke sollte es gute Zeltplätze geben. Wir gingen an dem ersten vorbei bis zur Brücke und kehrten schließlich wieder um, weil der Fluss sich flussaufwärts so tief in den Fels gegraben hatte, das man zum Wasserholen nicht mehr hinunter kam.

Das Zelt war im Nu aufgebaut und dann gab’s für jeden einen „heißen Affen“ (Magnesiumdrink in heißem Wasser) gegen die zu erwartenden Muskelschmerzen. Das erste Globelunch, Pasta mit Hähnchenspinatsoße, mundete vorzüglich. Leider fing es nach dem Essen bald an zu regnen, also ab ins Zelt.

Ich schrieb noch das Reiselog, während Erk bereits süß schlummerte. Uns war warm und wohl dank der guten Ausrüstung. Ich war sehr stolz, dass wir gleich am ersten Tag 19 km gewandert waren und dankbar dafür, wieder im Fjäll sein zu dürfen. Gegen halb neun sank auch ich erschöpft in meinen Schlafsack. Zu guter Letzt noch das erste Bergpanorama vom Meditationsplatz aus.

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