Pilgern auf Shikoku 2009 – Der Abschied

Am Morgen des vorerst letzten Pilgertages empfing uns drückende Schwüle. Ein kleiner Vorgeschmack auf den japanischen Sommer. Der besteht aus 30 – 35°C bei 80% Luftfeuchtigkeit oder mehr, durchsetzt von wolkenbruchartigen Regenfällen. Noch war zum Glück Frühjahr. Die Wolken ballten sich in den Bergen zusammen.

Zunächst wanderten wir an der stark befahrenen Straße 55 entlang und erstanden im Sunshine Supermarkt ein leckeres Mittagspicknick. No. 27 liegt auf 460 m. Wir ließen unsere Rucksäcke gut in die Regenhüllen verpackt unter einer Autobahnbrücke zurück. Der folgende Anstieg war knackig, aber inzwischen waren wir so gut trainiert, dass wir nur müde lächeln konnten. Auf halber Höhe begann es zu tröpfeln. Wir setzten uns auf eine kleine Bank unter Bäumen und verzehrten unser leckeres Mittagessen. Das Inari Sushi war köstlich. Dann ging es weiter. Wir erreichten No. 27 gegen 12h und staunten.  Die letzten Meter zum Tempel waren gesäumt von einen roten, voll aufgeblühten Busch.

Da es auf dieser Reise unser letzter Tempelbesuch war, ließen wir uns viel Zeit. Ich durfte das letzte Mal läuten, um unsere Ankunft bekannt zu machen.

In meinem letzten Gebet an der Daishi-dô bedankte ich mich für alle Erfahrungen dieser Pilgerreise und bat darum, sie irgendwann einmal fortsetzen zu dürfen. Der Moment des Abschieds war gekommen. Wir drehten uns nicht mehr um und stiegen wieder hinunter ans Meer. Es begann zu schütten. Das machte uns die Entscheidung, schon heute mit dem Zug nach Kôchi zu fahren und dort im Hotel zu übernachten leicht. Wir hatten zuvor damit geliebäugelt, noch einmal am Meer zu zelten. Schon von Weitem begrüßten uns unsere treuen Reisepartner.

Wir erreichten den Bahnhof und trafen dort auf einen Henro mit einer interessanten Tragekonstruktion. Er hatte einen 50l Curver Mülleimer auf ein Alutragegestell mit geflochtener Rückenlehne montiert. In der einen Alustange steckte ein Regenschirm. Was für ein Anblick. Er half Antje bei der Suche nach der Telefonnummer des „Superhotels“ im Telefonbuch. Japanische Telefonbücher sind eine Wissenschaft für sich und nicht unbedingt logisch sortiert.

Als wir in Kôchi ankamen, konnte man die Häuser nur erahnen. Der Himmel war herunter gefallen. Eine freundliche Mitreisende zeigte uns den Weg zum Hotel und den nahegelegenen Supermarkt. Einem entspannten Abend stand nun nichts mehr im Weg. Den nächsten Tag verbrachten wir gemächlich in Kôchi. Zuerst reservierten wir einen Platz im Bus nach Kyôtô am nächsten Morgen. Dann besichtigten wir das Schloss und lagen eine ganze Weile im Schlosspark und schrieben.

Am Nachmittag schlenderten wir zurück durch die Einkaufsstraße und kauften ein paar Souvenirs. Der Weg führte uns an einem „Lawson“ (Conbini) vorbei, über eine rote Brücke an die Sonnenseite des Flussufers.

Dort machten wir es uns gemütlich. Und ließen die Ereignisse der letzten Woche Revue passieren. Wir hatten eine Menge voneinander gelernt und waren beide überrascht darüber, wie harmonisch die Reise verlaufen war.

Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir an einem anderen Fluss mit springenden Fischen vorbei. Antje wollte unbedingt einen von ihnen im Flug fotografieren. So richtig klappte das nicht. Aber die Biester waren viel zu flink.

Im Hotel plumpste ich erschöpft ins Bett und schlief sofort ein, Dabei war es erst 21h. Die Fahrt nach Kyôto am nächsten Tag war komfortabel im JR (JapanRail) Bus. In Kyôto hatten wir einige Mühe, unser Hotel zu finden. Das „White Hotel“ lag versteckt auf dem Hinterhof einer Seitenstraße und als wir unser Zimmer betraten, erwartete uns im WC etwas seltsames.

Ja, auf der WC-Brille befand sich Teppich. Ich musste ihn herunter reißen, sonst hätten wir das WC nicht benutzen können. Antje zeigte mir ihre Stadt. Leider war die Zeit knapp. Am nächsten Tag mussten wir nach Ôsaka aufbrechen und am Tag darauf ging mein Flug nach Hamburg. Die Zeit war uns davon gelaufen. Es reichte noch für den Philosophenpfad, einige Tempel und eine hektische Einkaufsrunde. Bevor ich mich versah, stand ich wieder am Flughafen. Wir schworen uns, die Pilgerwanderung fortzusetzen und verabschiedeten uns trockenen Auges (ich heulte dann im Flugzeug). Japan war absolut faszinierend und bereichernd für mich gewesen. Sayônara!

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