Pilgern auf Shikoku 2009 Teil 6

Die anstehende Etappe würde uns tief in die Berge führen. Wir nahmen zunächst die Bahn bis nach Awa Akaishi. Dort empfingen uns strahlender Sonnenschein und Kôbô Daishi in Überlebensgröße an No. 18, der selbstverständlich auf einem kleinen Berg steht.

Man kann es nur schwer erkennen, aber vor der Statue befindet sich rechts ein Räucherstäbchenbecken, das ungefähr Menschenkörpergröße hat. Kôbô war wirklich beeindruckend groß. Die Entfernung zu No. 19 betrug nur drei Kilometer. Dabei durchquerten wir einen Bambuswald, meinen ersten.  Das Geräusch der sich aneinander reibenden Stämme im Wind ist magisch.

Wir erreichten No. 19. Der Tempel war wunderschön, was nicht zuletzt an der Sonne lag.

Nach No. 19 galt es, 9 km bis zum nächsten Conbini zurückzulegen. Wir waren beide reichlich erschöpft und schafften die Strecke gerade so eben. Und waren dann beide recht platt.

Am Conbini stillten wir unseren Bärenhunger mit Onigiri, einem Reisbällchen mit unterschiedlichen Füllungen (Thunfisch, Nattô), das in Nori (gerösteter Seetang) eingewickelt ist. Superlecker.

Schlapper Pilgerer No. 2So gestärkt machten wir uns auf den Weg zum nächsten unnumertierten Tempel. Dabei handelt es sich um Nebentempel, die in der Nähe der 88 Tempel liegen, aber nicht direkt zu ihnen gehören. Dort wollten wir einen Platz zum Zelten suchen. Die Gegend war dicht bebaut und wir hatten wenig Hoffnung, einen geeigneten Platz zu finden, aber oh wunder, ich fand ihn und wir machten es uns bis zum Einbruch der Dämmerung mit einem Bier gemütlich.

Leider passierten in der Nacht zwei unangenehme Dinge. Es begann zu schütten und meine Erkältung erreichte die unteren Atemwege. Ich musste andauernd husten und tiefes Einatmen schmerzte. Keine gute Voraussetzung für eine weitere Bergbesteigung. No. 20 lag auf 550 m. Ich wollte es trotzdem probieren. Es regnete und regnete. Der Anstieg fiel mir unendlich schwer. Oben bei No. 20 war es neblig und kalt. Wir erwiesen dem Ort unseren Respekt und machten uns schleunigst an den Abstieg. Als wir unten angekommen waren, wurde mir klar, dass ich an diesem Tag keinen weiteren Anstieg bewältigen würde. Und natürlich liegt No. 21 auf dem nächsten ebenso hohen Berg.

Wir einigten uns darauf, irgendwie nach Tokushima zurück zu kehren. Im Postamt des nächsten kleinen Ortes erfuhren wir, dass der nächste Bahnhof noch 10 km entfernt sei. Zu weit. Der Regen kam inzwischen waagerecht herunter. Wir ließen uns ein Taxi rufen. Frei nach dem Motto, Geld spielt keine Rolle.  In Tokushima landeten wir im teuren „City Hotel“. Das war uns völlig egal. Das Zimmer war sehr geräumig und im Nu waren all unsere Sachen wieder trocken. Mein Husten löste sich und nach einem weiteren Ruhetag fühlte ich mich wieder bergfit.

Also wieder in die Bahn. Dieses Mal fuhren wir bis nach Aranto. Dort fanden wir schnell die Zenkunyadô-Hütte, in der wir übernachten wollten. Dort ließen wir unser Gepäck und schritten beschwingt, weil deutlich leichter, gen No. 21. Es ging zunächst über einen kleinen Hügel durch Bambuswald Nummer zwei. Die Temperatur war eher zu warm als zu kalt, was sehr angenehm war. Wir erreichten eine Raststätte und gönnten uns dort ein Mittagessen. Danach ging es weiter an der Straße entlang, bis wir am Fuße des Berges standen. 600 m. Uff.  Ein Henro kam uns entgegen und bemerkte nur grinsend, der Weg sei „scheiße-steil“. Und er hatte recht. Er war sogar an einigen Stellen so schmal, dass ich fürchtete, Antje könne abstürzen. Sie weigerte sich beharrlich, ihre Trekkingstöcke zu benutzen und hatte dadurch nicht viel Halt. Kurz vor dem Ziel verliefen wir uns noch, fanden dann den richtigen Weg endlich! Der Aufstieg hatte sich natürlich gelohnt!

Die Tempelanlage war auch die schönste, die wir bislang gesehen hatten. Wir sahen uns ausgiebig um. Und genossen die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte.

Deshalb mussten wir uns auf dem Rückweg ziemlich beeilen. Wir erwischten gerade so eben die letzte Gondel nach unten und auf der Fahrt fiel mir siedendheiß ein, dass meine Trekkingstöcke noch oben am Tempel weilten… Dabei waren es nicht mal meine eigenen, ich hatte sie von einem Kollegen ausgeliehen, peinlich! Ein Zurück gab es nicht, dazu war es schon zu spät. Wir nahmen den Bus bis zur Abzweigung in das Bambuswäldchen.

Als wir an unserer Hütte ankamen war es bereits dunkel. Und wir hatten nichts eingekauft. Zum Glück gibt es unter der Spezies der Getränkeautomaten auch solche, die eiskaltes Bier verkaufen. Einen solchen gab es nur wenige Meter von unserer Hütte entfernt. Der Abend war gerettet und selbst die eiskalte Dusche konnte uns nicht mehr schocken.

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