Pilgern auf Shikoku 2009 Teil 5

Die Entfernung zwischen No. 12 und No. 13 beträgt stolze 25, 3 km. Einen Teil davon hatten wir am Vortag bereits hinter uns gebracht. Ich schätze, es lagen noch gute 18 km vor uns. Meine Hüfte schmerzte immer schlimmer. Der Rucksacktausch erwies sich als Rettung. Nun konnte ich endlich wieder die Landschaft genießen.

Am Fluss gab es fantastische Zeltplätze, aber es war noch zu früh am Tag. Wir gingen immer an der Straße entlang. Zum Glück gab es relativ wenig Verkehr. In unserem Pilgerbuch war eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit kurz vor No. 13 vezeichnet. Die peilten wir an. Leider bestand sie aus einer schottergefüllten Nische direkt an der Straße. Kein guter Platz. Wir sahen uns das Ufer des inzwischen breiten Flusses an, aber auch dort fühlten wir uns nicht besonders wohl. Es gab sehr viel Müll und seltsame Leute trieben sich dort herum. Nun gut, dann würden wir eben viele Yen für eine Tempelübernachtung ausgeben. Doch der war bereits geschlossen. Antje wurde langsam unruhig. Die Unterkunft, die wir telefonisch reserviert hatten, machte einen sehr heruntergekommenen Eindruck. Ich schob Antje in eine kleine Straße hinter der Pension und bat sie, noch einmal bei der anderen anzurufen. Da sah ich plötzlich ein Hinweisschild. Antje las: ein Park. Unsere Rettung. Wir erklommen grob geschätzt 1000 Stufen, der Park lag natürlich auf einem Berg, und entdeckten, dass wir völlig allein in diesem Park waren. Wir warteten noch eine Weile und sahen uns um, aber es bestand kein Zweifel, wir hatten den perfekten Zeltplatz gefunden.

Es gab sogar einen Wasserhahn – am Fuße des Berges. Also wieder hinunter und Wasser geholt. Antje las auf einer Hinweistafel, dass sich im Park eine alte Festung befand. Wir campierten in dem Teil des Parks, in dem sich einst das Geishaquartier befunden hatte. Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, genossen wir die Aussicht bei einem Strong Seven (ja, dieses Bier hat tatsächlich 7%!) und krochen bei Einbruch der Dunkelheit in unsere Schlafsäcke. Am nächsten Morgen packten wir erholt zusammen und stiegen vom Berg. No. 13 war geöffnet. Wir erwiesen ihm unsere Ehre und machten uns danach auf den Weg nach Tokushima und No. 14 – 17.

Die Entfernungen zwischen den Tempeln waren gering und die ländlichen Ausläufer Tokushimas malerisch. Sogar die Bäume wachsen nach den ästhetischen Vorstellungen der Menschen.

Nach dem Besuch von No. 17 nahmen wir die Bahn zum Hauptbahnhof. Während wir auf den Zug warteten, kam eine ältere Dame auf uns zu und fragte, ob wir auf dem Henrotrail pilgerten. Antje bejahte. Daraufhin gab sie jedem von uns eine 100 Yen Münze als o-settai. Wir waren perplex. Und investierten das Geld sogleich in unserem Lieblingsudonlokal am Hauptbahnhof in eine Riesenportion Nudeln. Als wir aus dem Lokal traten, empfingen uns dichte, regenschwangere Wolken. Wir erkundigten uns in der Touristeninformation nach einer Unterkunft. Der freundliche ältere Herr empfahl uns das „Astoria“ und meldete uns dort telefonisch an. Wir gingen die wenigen Meter zum Hotel und wurden dort höflichst empfangen. Als wir durch die Tür des Hotels getreten waren, fing es an zu schütten. Gutes Timing. Wir besuchten dann noch den nahegelegenen Onsen und relaxten danach im Hotel. Ich hatte mir leider eine Erkältung aufgesackt. Wir beschlossen, noch einen Ruhetag in Tokushima zu verbringen.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf, Tokushima zu erkunden und landeten prompt am „Hausberg“ der Stadt. Da konnten wir nicht wiederstehen. Langsam kletterten wir nach oben.

Von dort hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt. Auf dem Weg zurück zum Hotel kauften wir allerlei Leckereien ein und leider fühlte ich mich nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf nicht wirklich besser. Wir nahmen schweren Herzens eine weitere Verzögerung unseres Pilgerns in Kauf und wollten unser Zimmer für eine dritte Nacht buchen. Komischerweise stand es nicht mehr zur Verfügung. Wir zogen um ins „Kosmos“. Verliefen uns ordentlich auf dem Weg dorthin und kamen irgendwann dort an. Am nächsten Morgen ging es mir noch nicht richtig gut, aber wir wollten endlich weiter.

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