Letztes Jahr Lofoten Teil 5

Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Traumstrand. Die Sonne lachte und wir marschierten zunächst auf einer Asphaltstraße Richtung Süden. Der Asphalt wich Schotter und das letzte Haus tauchte auf der rechten Seite auf. Es war sehr einsam hier. Ca. 200 m hinter dem Grundstück führte ein recht ausgetretener Pfad bergan. Zum Traumstrand musste natürlich eine Bergkette gequert werden. Was auch seinen Vorteil hat. Mit dem Auto ist Kvalvika nicht erreichbar. Oben angekommen, durften wir einen ersten Blick auf den Strand werfen.

Der Abstieg flutschte nur so mit der Aussicht, den Rest des Tages und die Nacht an diesem wunderschönen Ort zu verbringen. Unten angekommen schmissen wir unser Gepäck von uns. Ich zog meine Wanderstiefel aus und lief ausgelassen barfuß durch den Sand.

Außer uns waren nur eine Handvoll anderer Menschen da. Als wir uns ausgetobt hatten und Erk Foto um Foto geschossen hatte, suchten wir uns einen geeigneten Platz zum Zelten. Das Zelt war im Nu aufgebaut und die letzten Leute traten den Heimweg an. Ein Strand für uns allein, ein Traum. Ich kochte, Erk ging derweil angeln.

Gefangen hatte er leider nichts. Wir aßen. Danach schrieb ich und Erk ging weitere Bilder schießen. Als ich fertig war, sammelte ich Treibholz für ein Feuer. Wir saßen noch so lange am Feuer, bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden war und redeten über Gott und die Welt. Was für ein schöner Abend.

Am nächsten Morgen zogen leider dicke, regenschwangere Wolken auf und trieben uns zurück in die Zivilisation. Wir erreichten die Bushaltestelle Fredvang noch einigermaßen trockenen Fußes, aber dann verschwand die Landschaft komplett hinter triefenden, tief hängenden Wolken. Die Suche nach einer trockenen Bleibe führte uns nach Å auf den Campingplatz. Ja, der Ort heißt tatsächlich einfach Å. Schlicht und ergreifend, am Ende der Welt. Wie sollte er auch sonst heißen? Randi, die auf dem Campingplatz den Sommer über jobbte, hatte eine günstige Hütte für uns mit einem fantastischen Blick.

Die geräumige Hütte beinhaltete zwei Betten, ein Etagenbett, das wir als Ablage nutzten, einen Tisch mit zwei Stühlen und eine kleine Küche inklusive fließend Wasser. Nur das WC befand sich 100 m entfernt. Viel mehr brauchen wir zum Leben nicht. Ach ja, eine elektrische Heizung gab es auch, so dass alle unsere Sachen im Nu trockneten. Ich blieb „zu Hause“ und las. Erk ging fotografieren. Ich glaube, vonÅ gibt es die meisten Bilder. Der Ort war einfach unglaublich schön. Selbst die Touristenhorden konnten diesen Eindruck nicht schmälern.

Wir hatten die Hütte vorsorglich für drei Nächte gebucht. Am nächsten Morgen war der Himmel blank wie frisch gewaschen. Wir machten uns auf, die Lofotenwand im Westen zu queren, hinunter bis ans Meer. Zunächst führte der Weg über einen kleinen Felsrücken an das Ufer eines Sees. Weiter ging es südlich am See entlang hinein in das grüne Tal.

Wir umrundeten den See, verfransten uns und fanden schließlich den Aufstiegspfad. Eine amerikanische Familie überholte uns zügig, allen voran die Tochter, wendig wie eine Bergziege. Der Anstieg war mächtig steil und der Pfad extrem schmal. Mir wurde mulmig und dieses Mal konnte ich meine Angst nicht überwinden. Wir rasteten.

Und beschlossen, auf das Gipfelerlebnis zu verzichten. Anfangs war ich deshalb noch traurig. Aber in der wunderschönen  Landschaft löste sich meine Enttäuschung schnell auf. Wir würden wiederkommen und dann würde ich auch diesen Gipfel bezwingen. Der Rückweg lief sich wie von selbst und am späten Nachmittag saßen wir wieder auf unserer Terrasse und ließen uns ein kühles Blondes schmecken.

Während ich kochte drehte Erk noch eine letzte sonnige Fotorunde.

Und dann hieß es, Abschied nehmen. Ich war selten so traurig, dass ein Urlaub sich dem Ende zuneigte. Wir posierten noch vor dem Ortsschild.

Und wanderten die Straße entlang nach Moskenes. Von dort aus ging die Fähre nach Bodø um 15 h. Ich vertiefte mich in ein spannendes Buch und versüßte mir damit den Abschied. In Bodø deckten wir uns noch mit allerlei norwegischen Leckerlis ein. Dann ging es wieder auf den Camping, den wir bereits am Anfang besucht hatten Der Kreis schloss sich. Früh am nächsten Morgen ging unser Flug zurück nach Hamburg.

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