Letztes Jahr Lofoten Teil 2

Die Sonne lachte und verscheuchte die letzten Haufenwolken. Wir nahmen den Bus bis nach Jordneset und die zwei Stunden Fußmarsch von dort bis zum Sandsletta Camping fielen uns trotz schweren Gepäcks leicht. Von Sandsletta aus wollten wir am nächsten Tag den Matmoragipfel stürmen, ohne Gepäck. Knapp zwanzig Kilometer Strecke und 788 Höhenmeter. Auch auf dem Sandsletta Camping gab es eine Hütte für uns. Das Wetter sah nicht beständig aus und ein bißchen Luxus muss sein.

Ich plauderte noch eine Weile mit einem deutschen Wanderradler, während Erk auf Fotopirsch ging. Abends gab es Globetrotter Kichererbseneintopf vegetarisch. Laut Kochanweisung nur einmal kurz aufkochen und acht Minuten quellen lassen. Da das  schon bei dem Kartoffeltopf nicht geklappt hatte, kochte ich das Ganze gute zwanzig (!) Minuten. Danach war der Eintopf genießbar. Erk plumpste bald danach in seine Koje und ich las bis in die Puppen Murakami.

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne mit mir um die Wette. Matmora, unserer erster richtiger Gipfelsturm. Wir packten reichlich Verpflegung ein und stratzten munter los.

Der Aufstieg zum Rangeldal war leicht zu finden und noch nicht besonders schweisstreibend. Leider fing es wieder an zu regnen und Matmora hüllte sich in dicke Wolken. Mit festem Vertrauen kraxelten wir zu weit oberhalb der Talsohle über Geröllfelder und durch nahezu undurchdringliche Birkenwäldchen. Am Ende der Talflanke begann zum Glück ein schmaler Schafspfad. Er führte auf direktem Wege steil nach oben zum Gipfel. Wir machten uns langsam auf den Weg. Erk mußte immer wieder innehalten. Er bekam den Sauerstoff kaum aus der dünnen Luft gesaugt. Endlich kam der Gipfelturm in Sicht.

Die gab es zunächst nicht. Es begann aus dichten Wolken zu schneien und es war höllisch kalt. Wir verkrochen uns in den Windschatten des Turms und mampften erstmal eine Stulle. Ich betete, wer auch immer da oben möge bitte die Wolken für eine Weile hinfortblasen, damit wir wenigsten sehen könnten, wo wir waren. Während des Betens sah ich auf meine Füße. Da schrie Erk aufgeregt, „hey, nach dieser Wolke ist der Himmel vollkommen klar!“ Das Panorama, das sich uns nun offenbarte, war atemberaubend schön. Vielen Dank wem auch immer!

Erk schoß zig Photos und ich bestaunte meine Umgebung einfach nur. Auf dem Dach der Welt und die Lofoten zu unseren Füßen, wanderten wir den breiten Grat entlang Richtung Norden.

Laut unserem Reiseführer sollte es von nun an gemütlich auf dem breiten Pfad sanft bergab gehen. Der Pfad wurde immer schmaler, verlief ca. 20 m unterhalb des Grats und zu meiner Linken fiel die Bergflanke nahezu senkrecht ab. Kein Strauch schützte den Blick. Mir wurde mulmig.

Nichts für mich. Ich drückte mich gegen die Flanke und schob mich Schritt für Schritt voran. Erk machte es nicht so viel aus, obwohl eigentlich er derjenige ist, der unter Höhenangst leidet. An einer Stelle war der Weg so stark erodiert, dass wir uns um die Ecke über einen Felsbrocken hangeln mußten. Jeder Schrecken hat irgendwann ein Ende. Wir erreichten die schiefe Ebene des auslaufenden Tafelbergs. Ich hüpfte munter über das Bett aus federnder Heide. Und konnte endlich die Aussicht genießen.

Vor dem letzten steilen Abstieg aßen wir noch einen Riegel. Dann ging es im Schweinsgalopp hinunter.

Nach dem unglaublich steilen Abstieg waren wir froh, wieder glücklich auf Meeresniveau angekommen zu sein. Wir zogen die dicken Klamotten aus. Unten war es richtig warm. Und dann hieß es gute 12 km an der Straße entlang zurück zum Campingplatz zu latschen. Erk hatte Blasen, ergo Schmerzen beim Gehen. Als der Platz endlich in Sicht kam, waren alle Mühen vergessen. Wir gönnten uns im Restaurant Burger und Bier und ließen den Tag Revue passieren. Habe ich schon erwähnt, dass wir nur zwei anderen Wanderern begegnet sind?

Gegen den zu erwarteten Muskelkater gab es heißen Affen und es half wirklich. Am Nächsten Morgen keine Spur von müden Muskeln.

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