Letztes Jahr Lofoten Teil 1

Was für ein Name: Lofoten. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Inselgruppe an der nordnorwegischen Westküste krümmt sich wie ein Hexenfinger vom Festland ab gen Süden. Lofoten heißt jedoch Luchsfuß. Aus dem Altschwedischen Lo = Luchs und Fot = Fuß, das -en ist der nachgestellte Artikel, nicht die Mehrzahl. Wie auch immer.

Durch den Einfluß des Golfstroms ist das Klima wesentlich milder, als man es in diesen Breitengraden, 67 – 68,  erwarten würde. Die Gebirgskette mit bis zu 1200 m hohen Gipfeln hält unangenehme Witterungseinflüsse von Nordwesten ab. Die dichteste Besiedlung befindet sich an der Ostküste. Obwohl es vermessen wäre von dichter Besiedelung zu sprechen. Ein Mensch hat auf den Lofoten 19 km² für sich. Die Einwohner leben hauptsächlich von Fischfang und Tourismus. Im Sommer geht die Sonne sechs Wochen lang nicht unter und von Mitte Dezember bis Ende Januar schafft sie es nicht über den Horizont. Ganz dunkel bleibt es dennoch nicht. Eher ewig dämmrig.

Inzwischen verbindet eine Brücke die Inselgruppe mit dem Festland. Wir entschieden uns für die Anreise mit Flug und Fähre. Mit dem Auto wären es gut 2000 km. Das ist für zwei Wochen Urlaub eine zu große Distanz.

Gegen 20h landeten wir in Bodø. Die Sonne stand noch sehr hoch am Himmel. Wir gönnten uns ein Taxi zum Campingplatz und rödelten uns zurecht.

Am nächsten Morgen schulterten wir zum ersten Mal unsere Rucksäcke und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Fähranleger. Wie immer konnten wir uns nicht vorstellen, die schweren Dinger länger als eine Stunde zu tragen. Aber die Erfahrung hat gelehrt, man gewöhnt sich an alles. Unterwegs besorgten wir noch Proviant und Benzin zum Kochen. Die Fähre ging leider erst um 17h. So hatten wir genügend Zeit, uns in Bodø umzusehen und anzukommen. Ein Regengebiet zog über uns hinweg und ich war froh, dass wir im trockenen Wartehäuschen sitzen durften.

Gegen 21h stiegen wir in Svolvaer von der Fähre. Es regnete Bindfäden. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, wo wir schlafen könnten. Ich fand einen außerhalb gelegenen Campingplatz. Wir stolperten förmlich über die Taxizentrale und ließen uns dorthin chauffieren. So langsam wurde das zur teuren Gewohnheit.

Zum Glück gab es dort noch eine bezahlbare Hütte. Wir quartierten uns gleich für zwei Nächte ein. Am nächsten Morgen war es immer noch bedeckt, aber trocken. Eine Tagestour ohne Gepäck auf den nahe gelegenen Rundfjellet bot sich an. zunächst führte der Wanderweg durch das Fjäll bis zur Baumgrenze. Dort verloren wir ihn aus den Augen und kämpften uns durch das Dickicht. Der Anstieg war recht steil, die vor uns liegende Landschaft bizarr felsig. Kurz vor dem Gipfel stärkten wir uns und fertigten das obligatorische Selbstporträt an.

Ganz hinauf zum Gipfel konnten wir leider nicht. Oben lag noch massenhaft Schnee und wir waren unsicher, ob man darüber gehen kann. Also umdrehen und wieder hinunter. Plötzlich kamen wir an dem hier vorbei:

Als wir die Baumgrenze wieder erreichten, war ich entweder zu schnell oder zu unaufmerksam. Ein Ast flitschte mir ins Auge, bevor ich es schließen konnte. Ganz schön schmerzhaft. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir noch nichts weiter dabei. Wir kämpften uns erneut weglos durch das Gestrüpp und machten unten am See eine letzte Pause. der Blick zurück:

Mein Auge brannte immer stärker. Wir tranken vor unserer Hütte Kaffee. Das Auge schwoll zu. Ich bat den Besitzer des Campingplatzes, mich zu einem Arzt zu bringen.  Er fuhr mich freundlicherweise nach Svolvaer ins Krankenhaus. Ich kam recht schnell dran. Die Ärztin stellte einen winzigen Riß in meiner Hornhaut fest, schmierte antibiotische Salbe hinein und verpasste mir ein Piratenpflaster. Glück gehabt. Abends wurde es empfindlich kühl. Ein Hoch auf meinen Daunenpulli.

Am nächsten Morgen schüttete es leider. Wir durften eine weitere Nacht bleiben. Mit dem Bus ging es nach Svolvaer, ein paar Besorgungen machen. Nachmittags spazierten wir an der Straße entlang Richtung Norden. Erk probierte zum ersten Mal die Angel aus, aber wir fingen nur einen Birkenpilz auf dem Rückweg. Den gab es zum Abendbrot an Kartoffeln und Würstchen, lecker Luxusessen. Vor dem Einschlafen schickten wir noch ein Stoßgebet an den Wettergott und siehe da, er hatte ein Einsehen!

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