Von der Mündung zur Metropole

Stimmt, es fehlte ja noch ein Stück. Das Wetter war bombig und wir setzten uns mit unseren Rädern in den Zug nach Cuxhaven. Wenigstens einmal wollten wir den Rückenwind genießen. Im Nu waren wir da. Vom Cuxhavener Bahnhof ging es durch den Hafen Richtung Südost. Leider wird der anschließende Deich gerade repariert. Nach einem kurzen Stück an der Bundesstraße erreichten wir endlich den Deich.

sieht bekannt ausDie Elbe ist dort oben so breit, dass man das andere Ufer kaum noch erkennen kann. Wir sahen uns um. Wo waren wir gleich, auf Nordstrand? Die Deiche sehen sich verblüffend ähnlich.

Und die Leuchttürme auch. Wir radelten munter drauflos, herrlich. Rückenwind, Schafe und Ruhe. Am Ostesperrwerk gab es dann die wohlverdiente Käseknifte. Im Naturschutzgebiet Kehdingen begegneten wir kaum noch anderen Menschen. Außer einem Naturfotografen. Er hatte seine Kamera auf ein Stativ geschraubt. Das war bei dem Objektiv auch besser. Er sagte, es wiege um die 6 kg. Er beobachtete gerade eine Lachseeschwalbe. Die sind in Küstennähe äußerst selten. Erk durfte auch ein Bild machen.

immer noch recht weit wegUnd natürlich sind unsere Räder vorm Kernkraftwerk Brokdorf auch sehr dekorativ:

irgendwas ist immerDanach passierten wir Freiburg, ein wunderschönes, verschlafenes Städtchen. Wir hatten eigentlich vor, auf einem der Campingplätze in Krautsand zu übernachten. Aber die waren nicht weit genug von Cuxhaven entfernt. Also fuhren wir an der Autoschlange vor der Wischhafener Fähre vorbei und setzten über nach Glückstadt. Unser Ziel war der Campingplatz in Kollmar. Das wollten wir uns vor einiger Zeit schon einmal anschauen, als potenziellen Wohnort. Damals war das Pinnausperrwerk wegen Reparaturarbeiten geschlossen und wir hatten keine Lust einen 20 – 30 km langen Umweg in Kauf zu nehmen.

Doch zunächst genehmigten wir uns ein Bier auf der Terrasse des „Deichspiekers“ in Glückstadt. Es tat gut, die müden Knochen zu strecken. Deshalb dauerte es auch, bis wir uns nach Kollmar aufmachten. Ich erlitt einen akuten Anfall von Unterzuckerung. Irgendwie waren doch wieder über 80 km zusammengekommen. Zum Glück gab es im Büro des Campingplatzes eine Kühltruhe mit jeder Menge Eis. Genau das richtige. Nach einer erfrischenden Dusche machte ich mich an’s Kochen, während Erk die Sonne genoss.

...typisch...Zum Abendbrot gab es Globetrotter Walnusspasta mit Zucchini und Bacon, lecker. Zwei weitere Paare waren auch mit dem Rad unterwegs und campierten neben uns. Während ich kochte, beobachtete ich die anderen verstohlen. Man merkte ihnen an, dass sie noch nicht oft mit Rad und Zelt unterwegs gewesen waren. Es dauert eine Weile, bis sich die Abläufe eingeschliffen haben. Wir sind, was das angeht, alte Hasen. Ruckzuck ist das Zelt aufgebaut und das Essen köchelt vor sich hin. Dabei tauchen immer mal wieder logistische Herausforderungen auf. Ich hatte kein Schneidebrett, also schnippelte ich die Zucchini in die Besteckdose, kein Problem.

Nach dem Essen plauderten wir noch ein Weilchen und wanderten dann der Sonne hinterher auf den Deich. Unsere Freunde warteten schon.

Nach einer Weile gesellte sich ein älterer Herr mit einer Dose Gulasch zu uns. Die wollte er tatsächlich kalt löffeln. Doch vorher musste er noch seinen täglichen Redebedarf decken. Es hätte eine sehr angenehme Nacht werden können, hätten nicht die Realschüler ihren Schulabschluss gefeiert. In unserem Zelt, so hörte es sich wenigstens an. Reichlich zerknittert krochen wir am nächsten Morgen aus den Schlafsäcken. Nach dem Frühstück drehten wir noch eine kleine Runde durch Kollmar, um zu prüfen, ob wir uns tatsächlich vorstellen können, dort zu wohnen. Ja, es gefiel uns. Dazu später mehr.

Das Zelt war in der Zwischenzeit getrocknet. Im Nu waren alle Sachen verstaut und weiter ging es am Deich entlang. Der Wind hatte über Nacht gedreht und wehte uns fröhlich entgegen. Zwei Tage Rückenwind am Stück wären auch ein zu großer Luxus gewesen.

Nach einer kurzen Rast im Schatten am Elbstrand erreichten wir Wedel. Von dort aus wollten wir mit der Fähre auf das andere Ufer übersetzen. Leider fuhr sie nicht. Also hieß es, den Massen zu trotzen und sich den Elbwanderweg nach Hamburg hinein zu schleichen. Erk war reichlich gepestet. Autos, Freizeitradler und massenhaft Spazierschleicher. Es nützte nichts. Wir rasteten mittags noch am Strand im Schatten und verspeisten die obligatorische Knifte. Dann kam ein fettes Containerschiff vorbei. Wirklich imposant. Leider war damit die Tour auch schon fast zu Ende. Aber uns bleibt ja noch das Stück zwischen Hamburg und Dömitz. Ach ja, Kollmar. Ich recherchierte am nächsten Morgen im Netz und fand tatsächlich ein erschwingliches Immobilienangebot. Wir diskutierten den ganzen Abend lang angeregt, ob wir es wagen sollten. Das erste, was die Maklerin mir am darauffolgenden Tag sagte, war, „Sie wissen, dass die geplante Trasse der A20 ca. 200m südlich am Haus vorbeiführt, oder?“. Ähm, nein, das wusste ich nicht. Schreckliche Vorstellung! Damit hatte sich der Traum vom Landleben vorerst erledigt.

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