Manchmal nass

Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass die Wahl der Hütte von großer Weisheit gezeugt hatte. Es regnete munter vor sich hin bei nicht mal 10°C. Zudem war Erks Vorderrad platt. Wir wechselten den Schlauch und spendierten auch gleich einen neuen Mantel. Dann konnten wir endlich losradeln, von Kopf bis Fuß wasserdicht verpackt. Das hat allerdings den Nachteil, dass man bereits nach kürzester Zeit schwitzt wie in der Sauna. Wasserdichtes Gewebe ist eben keine Einbahnstraße.

Der Weg nach Steti war leicht zu finden. Dort angekommen verfransten wir uns zum ersten Mal so richtig. Wie zum Teufel sollten wir auf die vermaledeite Brücke kommen? Eine halbe Stunde später war auch dieses Problem gelöst und wir fuhren weiter durch den Regen. Von der Etappe gibt es gar keine Bilder, weil wir wirklich durch und durch nass waren.

Kurz vor Roudnice nad Labem (an der Elbe) war mir so kalt, dass ich meine nassen Sachen aus- und eine trockene Fleecejacke anziehen musste. Ja, meine Jacke erwies sich im Ärmelbereich als nicht besonders wasserdicht. Erks Jacke hielt. Immerhin. Wir überquerten die Elbe erneut und machten kurz hinter Lounky Mittagsrast unter schützenden Bäumen mit Blick auf diese hübsche Kapelle Sv. Katerina.

Ach ja, wir sind übrigens was die Verpflegung angeht recht verwöhnt und schleppen tatsächlich Brot, Butter, Käse und frische Tomaten mit uns herum. Darüber hat sich bei unserer langen Tour die Schweizerin Andrea schier gekugelt vor Lachen. Sie hatte sogar den Stiel ihres Kochlöffels gekürzt, um Gewicht zu sparen.

Als wir weiterfuhren, klarte es ein wenig auf und wir erreichten Litomerice am frühen Nachmittag. Wir hatten uns den Campingplatz wenige Kilometer weiter als Nachtquartier ausgeguckt und tranken entspannt eine Tasse Cappuccino auf dem Marktplatz. Zum Thema Stadtbesichtigung sind wir glücklicherweise einer Meinung: lohnt sich nicht, zu viele Touristen und sehen tut man auch nicht viel. Wir warten lieber, bis es einen gut gemachten Beitrag über den betreffenden Ort im Fernsehen gibt.

Gestärkt ging’s weiter. Der Weg war holprig und wir machten die erste schlechte Erfahrung mit unserem bikeline Führer. Kein Campingplatz weit und breit. Und der nächste war noch einmal gut 15 km entfernt. Es nützte nichts. So langsam konnte ich nicht mehr sitzen auf meinem Velo und die Hände schliefen mir ein. Wir errichten endlich Brna und Überraschung, der Campingplatz war geschlossen und es sah auch nicht danach aus, als ob er je wieder eröffnet werden würde.

Zum Glück fanden wir Herrn Miroslav Simek. Der hatte ein großes Herz für Radler und den Dachboden seines Häuschens ausgebaut. Komplett mit Dusche und Bollerofen. Selten habe ich so einen herzensguten Menschen getroffen. Wir heizten kräftig ein, trockneten die nassen Klamotten über dem Ofen und genossen den Abend. So gut wie dort habe ich lange nicht geschlafen, obwohl das Haus von Straße und Eisenbahn umfangen wird. Schöne Träume unter dicken Daunen.

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