Nix wie raus aus der Stadt!

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Radeln, Tag eins. Untrainiert, aber immerhin satt und ausgeschlafen. Ich hatte ein wenig Angst, dass es schwierig werden könnte, den Weg aus der Stadt hinaus zu finden, aber die erwies sich als unbegründet. Wir fanden den Beginn des ausgeschilderten Moldauradweges an der Cechuv most (Brücke). Zunächst galt es den steilen Aufstieg zum auf dem Berg gelegenen Planetarium zu bewältigen. Von dort aus bot sich noch ein letzter Blick auf die goldene Stadt und dann ging’s auf einem neu angelegten Radweg Richtung Klecanky. Die ersten 25 km flutschten. In Klecanky angekommen machten wir eine Riegelpause und überlegten, ob wir einen Umweg ins bergige Umland machen oder den (laut bikeline Führer) nicht empfehlenswerten schmalen Weg direkt an der Moldau ausprobieren sollten. No risk – no fun, wir beschlossen, dem Führer keinen Glauben zu schenken und erkundeten den wirklich sehr schmalen, aber bis auf eine Stelle sehr gut befahrbaren Uferweg.

Zur Belohnung gab’s im Schloss Veltrusy Kaffee und Kekse. Wenn man den ganzen Tag mit Gepäck radelt, muss man unglaublich viel essen, sonst fällt man vom Fleisch. Die Erfahrung hatten wir von unserer Südschwedentour noch allzugut im Gedächtnis.

Noch ein Wort zum Thema Wind. Ich weiß, dass er Radlern immer ins Gesicht bläst. Aber es war wirklich eine blöde Entscheidung, von der Quelle zur Mündung zu fahren. Denn die vorherrschende Windrichtung ist tatsächlich Nordwest und ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es fern der Küste soviel Wind gibt. Er auf und so langsam wurde ich müde. Wir überquerten die Moldau mit einer winzigen Fähre und kämpften uns über eine sehr schlechte Wegstrecke bis nach Melnik. Kopfsteinpflaster mit riesigen Steinen, die nicht horizontal ausgerichtet sind, sondern sich wölben wie die Eisschollen im Gemälde von Caspar David Friedrich.

Melnik liegt übrigens auf einem Berg. Erk hatte zwar keine Lust mehr, aber den galt es zu erklimmen. Noch eine Radlerweisheit: Solche Berge tauchen immer entweder während der fiesesten Mittagshitze oder am Ende eines langen, anstrengenden Tages auf. Zum Glück fanden wir nach einigem Suchen den Campingplatz, der sogar Hütten vermietete. Juchu! So eine bezogen wir, da es sehr nach Regen aussah und auch eher ungemütlich kalt war. So ein Bierchen nach einem langen Fahrtag mundet einfach am besten. Wir saßen entspannt auf der Terrasse und sahen einer deutschen Jugendgruppe beim Zeltaufbauen zu. Ich beneidete sie nicht. Zum Abendbrot gab’s Globetrotter Lunch und nach der Abendlektüre schliefen wir wie Steine – komisch, schlafen Steine wirklich?

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